
Pizza Endstation: Commerzbank-Aktionäre tauschen gelbe Langeweile gegen italienisches Temperament-Defizit
In einem Akt finanzieller Selbstaufgabe, der selbst einen Kamikaze-Piloten vor Neid erblassen ließe, haben die Aktionäre der Commerzbank entschieden, dass ihr Geld in Mailand zwischen Espresso-Flecken und Staatsanleihen-Ruinen deutlich besser aufgehoben ist als im tristen Frankfurt. Mit einer Zustimmung von über 44 Prozent zum UniCredit-Angebot beweisen die Anteilseigner eine ökonomische Todessehnsucht, die man sonst nur von Menschen kennt, die Enkeltricks für eine seriöse Form der Vermögensverwaltung halten. Andrea Orcel, der Mann, dessen Ego so groß ist, dass es eine eigene Postleitzahl benötigt, steht kurz davor, das gelbe Elend der Sparkasse für Gutbetuchte einzuverleiben. Während die Bundesregierung noch versucht, den drohenden Kontrollverlust mit der rhetorischen Eleganz eines gestrandeten Pottwals wegzulächeln, ist der Ausverkauf des deutschen Mittelstandsfinanzierers längst beschlossene Sache. Man muss es positiv sehen: Endlich bekommt der Slogan 'Die Bank an Ihrer Seite' eine neue Bedeutung, da die Seite nun vermutlich die eines sinkenden Gondoliere-Kahns in Venedig ist. Die Hürden für eine vollständige Übernahme sind indes nur noch für deutsche Bürokraten ein Hindernis, die wahrscheinlich gerade noch prüfen, ob das italienische Übernahme-Formular auch ordnungsgemäß gelocht und abgeheftet wurde. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Commerzbank wie ein leicht angetrunkener Urlauber wirkt, der denkt, er hätte ein Luxus-Penthouse in der Toskana gemietet, nur um festzustellen, dass er gerade seine gesamten Ersparnisse für ein belegtes Brot am Mailänder Hauptbahnhof geopfert hat.