
Bahn ersetzt fehlende Pünktlichkeit durch hochauflösende digitale Entschuldigungsprosa in Echtzeit
Die Deutsche Bahn AG hat nach Jahrzehnten intensiver Forschung eine bahnbrechende Erkenntnis gewonnen: Wenn die Züge schon nicht rollen, sollte wenigstens der Algorithmus fließen. Unter dem Projektnamen KI-nische Totenruhe wird nun ein Assistenzsystem implementiert, das die Fahrgäste mit einer Präzision über das Scheitern informiert, die man sich für den Fahrplan nur hätte wünschen können. Während früher noch ein menschlicher Mitarbeiter mit der Motivationslage eines tiefgekühlten Toastbrots nuschelige Durchsagen über Signalstörungen lallte, übernimmt nun eine Künstliche Intelligenz. Diese ist darauf programmiert, Verspätungen so eloquent und empathisch zu begründen, dass der Kunde den dreistündigen Aufenthalt in einem ungeheizten Bahnhof zwischen zwei Pfandflaschensammlern fast für eine spirituelle Selbsterfahrung hält. Es ist die Kapitulation der Ingenieurskunst vor der Datenverarbeitung: Wenn man die Realität nicht reparieren kann, muss man sie eben schöner beschreiben. Das System berechnet in Millisekunden, welcher Euphemismus die Wut des witterungsbedingt gestrandeten Pendlers am besten puffert. Die KI ist dabei so lernfähig, dass sie bereits nach zwei Tagen Dienstzeit einen Burnout simuliert und sich weigert, bei Temperaturen unter fünf Grad überhaupt Daten zu verarbeiten. Man wolle dem Fahrgast ein hybrides Erlebnis bieten, heißt es aus der Konzernzentrale: Physischer Stillstand gepaart mit digitaler Hochgeschwindigkeitsemphase. Am Ende steht die bittere Gewissheit, dass die Bahn nun zwar weiß, warum sie zu spät kommt, es ihr aber dank neuronaler Vernetzung nun noch arroganter am Allerwertesten vorbeigeht als jemals zuvor.