
Ofen aus: Deutsche tauschen Handwerk gegen Teigrohlings-Extraktions-Zentren und Industriekleber
In einer Republik, in der die ästhetische Schmerzgrenze beim Anblick eines Tankstellen-Laugengebäcks längst unterschritten wurde, wirkt die Nachricht über das Bäckereisterben wie der Abgesang auf die letzte Instanz der deutschen Zivilisation. Während der traditionelle Innungsmeister noch um drei Uhr morgens mit Mehlstaublunge versucht, Liebe in einen Sauerteig zu kneten, setzt der moderne Konsument lieber auf den metallischen Charme des SB-Automaten im Discounter, wo Brötchen unter künstlichem Licht eine Bräunung erfahren, die sonst nur bei Donald Trump in der Sprühkabine zu finden ist. Die Deutschen praktizieren hier eine Form der kulinarischen Selbstgeißelung, die nur noch durch den Kauf von abgepacktem Scheibenbrot in Plastikbeuteln übertroffen wird, das vermutlich eine längere Halbwertszeit als ein Atommüllendlager in Gorleben besitzt. Das Handwerk kapituliert vor einer Klientel, die fünf Euro für einen Hafermilch-Latte bei Starbucks bezahlt, aber eine Lichterkette anzündet, wenn das handgeformte Kaiserbrötchen mehr als fünfzig Cent kosten soll. Es ist eine ökonomische Euthanasie durch den Backshop-Greifarm, der mit der Präzision eines Chirurgen jene Teigklumpen ausspuckt, deren Bindemittel vermutlich auch im Straßenbau Verwendung finden könnten. Wer sein Brot künftig nicht mehr beim Fachmann kauft, sollte sich nicht wundern, wenn er eines Morgens aufwacht und feststellen muss, dass seine einzige verbliebene kulturelle Identität aus einer Aufback-Anleitung auf einer Aluminiumfolie besteht. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass der Deutsche offensichtlich erst dann zufrieden ist, wenn seine Nahrung die gleiche emotionale Tiefe und Textur besitzt wie ein gebrauchter Spülschwamm.