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In Wolfsburg herrscht eine Stimmung wie auf der Titanic, kurz nachdem der Erste Offizier bemerkt hat, dass Eiswürfel im Gin Tonic nicht die einzige Sorge sind. Die Aufsichtsratssitzung von Volkswagen verspricht jene Art von Klarheit, die man sonst nur bei einer Zwangsversteigerung nach einem fehlgeschlagenen Krypto-Investment findet. CEO Oliver Blume steht vor der Herkulesaufgabe, ein Unternehmen zu retten, dessen Strategie der letzten Jahre darin bestand, Softwareprobleme durch noch kompliziertere Softwareprobleme zu ersetzen, während man in China so relevant wurde wie ein Faxgerät in einem Silicon-Valley-Start-up. Die Experten fordern radikale Schritte, was im VW-Sprech bedeutet, dass man die Kantine auf fleischlose Currywurst umstellt, bevor man zehntausende Mitarbeiter in die Freiheit der unbefristeten Selbstfindung entlässt. Der Widerstand der Gewerkschaften ist derweil so vorhersehbar wie die nächste Preiserhöhung für einen Golf, der mittlerweile so viel kostet wie eine sanierungsbedürftige Doppelhaushälfte in Brandenburg. Es ist die hohe Kunst des deutschen Managements: Man baut Autos, die sich niemand mehr leisten kann, mit einer IT, die nicht funktioniert, und wundert sich dann, dass die Bänder stillstehen. Die einzige echte Innovation in Wolfsburg scheint derzeit die Erfindung des dreidimensionalen Schulterzuckens zu sein. Am Ende wird man vermutlich beschließen, dass Effizienzsteigerung vor allem bedeutet, die Dividenden der Großaktionäre dadurch zu sichern, dass man den Werkstoren schlicht neue Schlösser verpasst. VW beweist eindrucksvoll: Wer den Anschluss an die Zukunft verpasst, kann zumindest noch als Denkmal für die Industriegeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts fungieren, während man den Karren mit Vollgas gegen die Wand aus Realität manövriert.
Wirtschaft

Vom Volkswagen zum Volkssagen: Wolfsburg plant das erste begehbare Automuseum des Scheiterns

In Wolfsburg herrscht eine Stimmung wie auf der Titanic, kurz nachdem der Erste Offizier bemerkt hat, dass Eiswürfel im Gin Tonic nicht die einzige Sorge sind. Die Aufsichtsratssitzung von Volkswagen verspricht jene Art von Klarheit, die man sonst nur bei einer Zwangsversteigerung nach einem fehlgeschlagenen Krypto-Investment findet. CEO Oliver Blume steht vor der Herkulesaufgabe, ein Unternehmen zu retten, dessen Strategie der letzten Jahre darin bestand, Softwareprobleme durch noch kompliziertere Softwareprobleme zu ersetzen, während man in China so relevant wurde wie ein Faxgerät in einem Silicon-Valley-Start-up. Die Experten fordern radikale Schritte, was im VW-Sprech bedeutet, dass man die Kantine auf fleischlose Currywurst umstellt, bevor man zehntausende Mitarbeiter in die Freiheit der unbefristeten Selbstfindung entlässt. Der Widerstand der Gewerkschaften ist derweil so vorhersehbar wie die nächste Preiserhöhung für einen Golf, der mittlerweile so viel kostet wie eine sanierungsbedürftige Doppelhaushälfte in Brandenburg. Es ist die hohe Kunst des deutschen Managements: Man baut Autos, die sich niemand mehr leisten kann, mit einer IT, die nicht funktioniert, und wundert sich dann, dass die Bänder stillstehen. Die einzige echte Innovation in Wolfsburg scheint derzeit die Erfindung des dreidimensionalen Schulterzuckens zu sein. Am Ende wird man vermutlich beschließen, dass Effizienzsteigerung vor allem bedeutet, die Dividenden der Großaktionäre dadurch zu sichern, dass man den Werkstoren schlicht neue Schlösser verpasst. VW beweist eindrucksvoll: Wer den Anschluss an die Zukunft verpasst, kann zumindest noch als Denkmal für die Industriegeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts fungieren, während man den Karren mit Vollgas gegen die Wand aus Realität manövriert.

09.07.2026, 07:01 · Ausgabe Nr. 362

Original Nachricht

Die Anspannung vor der heutigen Aufsichtsratssitzung bei VW ist groß: Seit Monaten stehen harte Einschnitte im Raum. Experten halten radikale Schritte für nötig, der Widerstand ist groß. Ausgang: ungewiss. Von A. Deutskens.

Quelle: tagesschau.de