
Alphabetisierungs-Ausstieg: Jugend spart sich künftig den Umweg über das Denken
In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne der Generation Z bereits durch das Blinzeln eines Kolibris empfindlich gestört wird, sorgt eine Meldung des Börsenvereins für ehrliche Erleichterung: Die 10- bis 15-Jährigen kaufen ein Drittel weniger Bücher. Warum auch mühsam Buchstaben zu Worten synthetisieren, wenn man die kognitive Eigenleistung bequem an einen Algorithmus auslagern kann, der die Komplexität der Welt auf das Niveau eines tanzenden Panda-Bären herunterbricht? Alex Jakubowski berichtet über einen Branchenumsatz, der 2025 so steil abstürzt wie das Niveau einer durchschnittlichen Bundestagsdebatte. Während das Bildungsbürgertum noch hysterisch nach Reclam-Heften schnappt, hat die Jugend längst erkannt, dass bedrucktes Papier lediglich die analoge Vorstufe von Altpapier ist, die den Weg zum WLAN-Router unnötig verstellt. Es ist die konsequente Weiterentwicklung der Evolution: Der Mensch erfand erst das Rad, dann den Buchdruck und nun endlich die totale Befreiung von der Last des Verstandes. Verlage reagieren bereits panisch und planen, Klassiker wie Goethes Faust in dreisekündige Videos umzuwandeln, in denen Gretchens Tragödie durch einen tanzenden Filter mit Katzenohren ersetzt wird. Wenn die Nachfrage nach Literatur so weiter sinkt, werden Bibliotheken bald als ökologische Wald-Endlager für totes Wissen zertifiziert. Wer braucht schon die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins, wenn er die vollkommene Schwere der Inhaltsleere im Minutentakt auf das Retina-Display projiziert bekommt? Am Ende bleibt das Buch, was es schon immer für viele war: Ein exzellenter Türstopper für Räume, in denen man sich ohnehin nicht mehr aufhält.