
Wolfsburger Schweigemarsch: VW-Aufsichtsrat vertagt Weltuntergang auf die nächste Kaffeepause
In Wolfsburg herrscht wieder jene sakrale Stille, die man sonst nur aus der Vorstandsetage der Titanic kurz nach der Kollision kennt. Nach stundenlanger Beratung hat der VW-Aufsichtsrat ein Ergebnis erzielt, das selbst ein Orakel von Delphi vor Scham erröten ließe: Man weiß nichts, sagt aber viel. Während Betriebsratschefin Daniela Cavallo verzweifelt versucht, Transparenz einzufordern, verhält sich der Konzern wie ein pubertierender Beifahrer, der auf die Frage nach dem Zielort nur den Radioregler lauter dreht. In der Autostadt wird die Unwissenheit mittlerweile als Kernkompetenz gehandelt. Wenn VW so konsequent Autos bauen würde, wie man dort Entscheidungen vermeidet, liefe der Käfer heute noch mit Solarantrieb und moralischer Überlegenheit. Die Strategie scheint klar: Man spart sich die Antwort, um die Kosten für die Realität nicht vorstrecken zu müssen. Es ist die hohe Kunst der unternehmerischen Homöopathie – man verdünnt die Information so lange mit Sitzungskaffee, bis kein wirksames Molekül an Logik mehr nachweisbar ist. Cavallos Forderung nach Klarheit wirkt in diesem Kontext fast schon rührend anachronistisch, etwa so, als würde man bei einem brennenden Hindenburg-Zepellin nach der Brandschutzversicherung fragen. Während Zehntausende Mitarbeiter auf glühenden Kohlen sitzen, grillt das Management darauf lediglich Filetstücke der Ungewissheit. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Bei Volkswagen wird zwar nicht mehr produziert, dafür aber auf Weltniveau gewartet. Der Konzern hat das Prinzip fahrvergnügen durch ein innovatives Stehvermögen im luftleeren Raum ersetzt und beweist final, dass man auch ohne Motor, Räder und Plan ganz hervorragend gegen die Wand rollen kann, solange die Lackierung der Pressemitteilung glänzt.