
EU-Parlament schafft Privatsphäre ab damit Beamte beim Mitlesen mehr Freude empfinden
In einer Sternstunde der bürokratischen Voyeurismusförderung hat das EU-Parlament den Weg für die sogenannte Chatkontrolle geebnet. Unter dem moralisch unantastbaren Deckmantel des Kinderschutzes dürfen Onlinedienste nun offiziell das digitale Briefgeheimnis beerdigen, um nach verbotenen Bildern zu fischen. Es ist eine rührende Geste: Damit die EU-Kommission nicht länger mühsam durch Fenster spähen muss, bringen die Bürger ihre intimsten Daten nun freiwillig zur digitalen Schlachtbank. Kathrin Schmids Bericht lässt erahnen, dass der Datenschutz in Brüssel mittlerweile denselben Stellenwert genießt wie eine Kalorie beim bayrischen Leichenschmaus. Kritiker befürchten zwar den gläsernen Bürger, doch die Befürworter wissen: Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch kein Problem damit, wenn ein schlecht bezahlter Algorithmus im Backend der Messaging-Apps jedes Dickpic auf staatliche Konformität prüft. Es ist die ultimative Demokratisierung der Spionage: Früher musste man Oppositioneller oder KGB-Agent sein, um so viel staatliche Aufmerksamkeit zu genießen, heute reicht ein schlüpfriger Witz in der Familiengruppe. Die EU beweist damit eindrucksvoll, dass man Freiheit am besten dadurch schützt, dass man sie vorsorglich komplett abschafft, bevor sie jemand missbrauchen kann. Es bleibt die Hoffnung, dass die zuständigen Beamten wenigstens eine ästhetische Ausbildung genießen, bevor sie sich durch die digitalen Müllberge der europäischen Bevölkerung wühlen. Wenn die totale Überwachung erst einmal Standard ist, wird man feststellen, dass der einzige Schutzraum, der dem Europäer noch bleibt, das stille Gebet im Kopf ist – vorausgesetzt, die EU plant nicht bereits eine Schnittstelle für das zerebrale Interface.