
NATO 2.0: Europa bestellt vorsorglich Stützräder für den transatlantischen Rollstuhl
In Brüssel und Ankara herrscht eine Aufbruchstimmung, wie man sie sonst nur von Palliativstationen kennt, auf denen die Patienten plötzlich kollektiv beschließen, an die heilende Kraft der Homöopathie zu glauben. Die Sicherheitsexpertin Stefanie Babst hat das Offensichtliche ausgesprochen: Die Europäisierung der NATO ist kein Wunschkonzert, sondern die verzweifelte Suche nach dem Ersatzreifen, während der US-Car-V8-Motor bereits brennend im Straßengraben der Geschichte liegt. Wenn Trump demnächst das Weiße Haus im Stile eines Immobilienhais übernimmt, der nur auf die Kaution schielt, stehen die Europäer da wie Kinder, die feststellen, dass Papa das Haus beim Poker verspielt hat und sie nun lernen müssen, wie man aus einer gebrauchten Bundeswehr-Feldflasche und zwei Leopard-Panzern ohne Motor eine schlagkräftige Armee bastelt. Es ist die Stunde der Wahrheit für eine EU, deren Verteidigungskonzept bisher daraus bestand, im Ernstfall ganz fest an die Freiheitsstatue zu denken und zu hoffen, dass Washingtons Telefonnummer nicht auf der Blockliste landet. Die geplante Europäisierung der Allianz ist in etwa so erfolgversprechend wie der Versuch, ein brennendes Ölfeld mit einer Spritzpistole voller Bio-Limonade zu löschen, während der kanadische Juniorpartner Trudeau im Hintergrund besorgt die Augenbrauen zupft. Letztlich ist diese neue Souveränität ohnehin nur ein Euphemismus für die Tatsache, dass man in Berlin und Paris nun endlich begriffen hat, dass der amerikanische Schutzschirm nicht mehr aus kugelsicherem Kevlar besteht, sondern aus einer löchrigen Kollektion von Trumps alten Golfsocken, die beim ersten Windhauch von Chaos aus Übersee einfach zerfallen.