
Spezialschiebeoperation: Putin führt den ökologischen Fußmarsch als obligatorische Staatsform ein
In einer meisterhaften Demonstration strategischer Voraussicht hat der Kreml das Konzept der Mobilität völlig neu definiert. Während westliche Dekadenzforscher von einer Kraftstoffkrise faseln, genießt der russische Patriot das neue Privileg der Entschleunigung direkt an der Zapfsäule. Die kilometerlangen Schlangen vor den Tankstellen sind in Wahrheit keine Logistikkatastrophen, sondern staatlich verordnete Meditationszirkel, in denen das Volk die heilige Dreifaltigkeit aus Geduld, Abgasnostalgie und dem festen Glauben an die Unfehlbarkeit Wladimir Putins praktiziert. Der Präsident teilte mit, dass Treibstoff ohnehin ein überbewertetes Gut sei, das die russische Seele nur unnötig schnell an Orte trage, an denen sie ohnehin nichts zu suchen habe. Wer dennoch fahren will, benötigt künftig einen Passierschein in drei Ausfertigungen sowie ein persönliches Empfehlungsschreiben eines Oligarchen, der sein Vermögen noch nicht durch einen Fenstersturz dezimiert hat. Die Preise steigen derweil in Regionen, die sonst nur russische Raumkapseln erreichen – vorausgesetzt, sie verfügen über den nötigen Restschluck Kerosin. Besonders perfide: Die Regierung empfiehlt nun das Tanken im Ausland, vorzugsweise direkt mit dem mitgebrachten T-72, was die Kraftstoffsuche zu einer Art grenzüberschreitendem Geocaching für Schwerbewaffnete macht. Es ist die ultimative Form der Selbstoptimierung: Wenn der Lada nicht mehr rollt, schult er wenigstens die Wadenmuskulatur der Insassen für die nächste Militärparade. Es bleibt dabei: In Russland geht der Sprit nicht aus, er tritt lediglich taktisch den Rückzug in Richtung Ministerien an, um dort die Heizungen derer zu befeuern, die das Volk so warmherzig in den Stillstand führen. Wer braucht schon Oktan, wenn er den brennenden Ehrgeiz hat, die Steinzeit in Rekordgeschwindigkeit zu überholen.