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In Potsdam wurde heute der größte logistische Kraftakt seit der Einführung der unbegründeten Arroganz vollzogen. Die Sprengung einer Fliegerbombe dient in der brandenburgischen Landeshauptstadt traditionell weniger der Gefahrenabwehr als vielmehr der dringend benötigten Selbstvergewisserung, dass man im Gegensatz zu Berlin wenigstens noch über funktionierende Altlasten verfügt. Tausende Bürger verließen fluchtartig ihre Stuckaltbauten, wobei die größte Herausforderung für den Kampfmittelbeseitigungsdienst nicht der Zünder war, sondern die Weigerung zahlreicher Preußen-Fetischisten, ihre Biedermeier-Sofas ohne schriftliche Genehmigung von Friedrich dem Großen zurückzulassen. Während der Hauptbahnhof gesperrt wurde, stellte man fest, dass die ausbleibenden Pendlerströme die Lebensqualität der Stadt schlagartig auf ein Niveau hoben, das seit 1945 nicht mehr erreicht wurde. Es ist blanker Zynismus der Geschichte: Ausgerechnet ein britisches Qualitätsprodukt aus Stahl und TNT sorgt dafür, dass die Potsdamer Verwaltung für kurze Zeit effizienter arbeitet als bei der Bearbeitung eines durchschnittlichen Bauantrags für eine Gartenlaube. Die Evakuierung bewies zudem eindrucksvoll, dass Potsdam die einzige Stadt der Welt ist, in der die Menschen bei einer drohenden Detonation erst einmal prüfen, ob ihr SUV auch farblich passend zur Absperrung geparkt ist. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass eine Weltkriegsbombe in Potsdam das einzige ist, was noch wirksamer gegen Gentrifizierung hilft als die Mietpreisbremse, wobei die Bombe im Gegensatz zur Politik wenigstens die Eier hat, auch wirklich hochzugehen.
Panorama

Historische Relevanzsimulation: Potsdam evakuiert Innenstadt zwecks künstlicher Erzeugung von Weltstadtformat

In Potsdam wurde heute der größte logistische Kraftakt seit der Einführung der unbegründeten Arroganz vollzogen. Die Sprengung einer Fliegerbombe dient in der brandenburgischen Landeshauptstadt traditionell weniger der Gefahrenabwehr als vielmehr der dringend benötigten Selbstvergewisserung, dass man im Gegensatz zu Berlin wenigstens noch über funktionierende Altlasten verfügt. Tausende Bürger verließen fluchtartig ihre Stuckaltbauten, wobei die größte Herausforderung für den Kampfmittelbeseitigungsdienst nicht der Zünder war, sondern die Weigerung zahlreicher Preußen-Fetischisten, ihre Biedermeier-Sofas ohne schriftliche Genehmigung von Friedrich dem Großen zurückzulassen. Während der Hauptbahnhof gesperrt wurde, stellte man fest, dass die ausbleibenden Pendlerströme die Lebensqualität der Stadt schlagartig auf ein Niveau hoben, das seit 1945 nicht mehr erreicht wurde. Es ist blanker Zynismus der Geschichte: Ausgerechnet ein britisches Qualitätsprodukt aus Stahl und TNT sorgt dafür, dass die Potsdamer Verwaltung für kurze Zeit effizienter arbeitet als bei der Bearbeitung eines durchschnittlichen Bauantrags für eine Gartenlaube. Die Evakuierung bewies zudem eindrucksvoll, dass Potsdam die einzige Stadt der Welt ist, in der die Menschen bei einer drohenden Detonation erst einmal prüfen, ob ihr SUV auch farblich passend zur Absperrung geparkt ist. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass eine Weltkriegsbombe in Potsdam das einzige ist, was noch wirksamer gegen Gentrifizierung hilft als die Mietpreisbremse, wobei die Bombe im Gegensatz zur Politik wenigstens die Eier hat, auch wirklich hochzugehen.

16.06.2026, 10:01 · Ausgabe Nr. 38

Original Nachricht

Weite Teile der Potsdamer Innenstadt stehen still. Dort soll eine Weltkriegsbombe entschärft werden. Tausende Menschen sind von den Evakuierungen betroffen, auch der Hauptbahnhof ist gesperrt.

Quelle: tagesschau.de