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Während die Bundesregierung noch rätselt, ob Fachkräftemangel das Unwort des Jahres oder eine neue Ausrede für die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn ist, haben tausende Unternehmer die ultimative Lösung gefunden: die totale Abwesenheit von Geschäftstätigkeit. Die Pleitewelle erreicht Höchstwerte, die man sonst nur von den Diätversprechen der FDP oder den moralischen Abgründen des DFB kennt. Claudia Wehrle beruhigt in einer fast schon rührenden Naivität, dass die Lage beim genaueren Hinsehen gar nicht so dramatisch sei – vermutlich, weil man durch die leeren Schaufenster jetzt viel besser das Elend auf der Straße beobachten kann. Es ist ein Akt der ökonomischen Selbstreinigung: Wenn der Markt bereinigt wird, bis nichts mehr übrig ist, kann wenigstens niemand mehr die Quartalszahlen kritisieren. In Berlin feiert man das Verschwinden der Betriebe derweil als radikalen Beitrag zum Klimaschutz, denn wer nicht produziert, kann auch keine CO2-Zertifikate fälschen. Dass fast alle Branchen betroffen sind, zeugt von einer demokratischen Gleichberechtigung, die man in der Ampelkoalition sonst schmerzlich vermisst. Man könnte fast meinen, die deutsche Wirtschaft habe sich kollektiv für das Geschäftsmodell von Wirecard entschieden, nur eben ohne die lästigen Aktenkoffer voller Bargeld. Am Ende ist eine Insolvenz ohnehin nur die staatlich zertifizierte Bestätigung, dass man zu klug für den deutschen Steuerwahnsinn war. Herzlichen Glückwunsch an alle Neuruheständler: Wer nichts mehr hat, dem kann Christian Lindner auch nichts mehr wegnehmen, außer vielleicht die Hoffnung auf eine Rente mit achtundachtzig.
Wirtschaft

Insolvenz-Sommermärchen: Deutsche Wirtschaft entdeckt endlich das effiziente Arbeiten ohne Personal

Während die Bundesregierung noch rätselt, ob Fachkräftemangel das Unwort des Jahres oder eine neue Ausrede für die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn ist, haben tausende Unternehmer die ultimative Lösung gefunden: die totale Abwesenheit von Geschäftstätigkeit. Die Pleitewelle erreicht Höchstwerte, die man sonst nur von den Diätversprechen der FDP oder den moralischen Abgründen des DFB kennt. Claudia Wehrle beruhigt in einer fast schon rührenden Naivität, dass die Lage beim genaueren Hinsehen gar nicht so dramatisch sei – vermutlich, weil man durch die leeren Schaufenster jetzt viel besser das Elend auf der Straße beobachten kann. Es ist ein Akt der ökonomischen Selbstreinigung: Wenn der Markt bereinigt wird, bis nichts mehr übrig ist, kann wenigstens niemand mehr die Quartalszahlen kritisieren. In Berlin feiert man das Verschwinden der Betriebe derweil als radikalen Beitrag zum Klimaschutz, denn wer nicht produziert, kann auch keine CO2-Zertifikate fälschen. Dass fast alle Branchen betroffen sind, zeugt von einer demokratischen Gleichberechtigung, die man in der Ampelkoalition sonst schmerzlich vermisst. Man könnte fast meinen, die deutsche Wirtschaft habe sich kollektiv für das Geschäftsmodell von Wirecard entschieden, nur eben ohne die lästigen Aktenkoffer voller Bargeld. Am Ende ist eine Insolvenz ohnehin nur die staatlich zertifizierte Bestätigung, dass man zu klug für den deutschen Steuerwahnsinn war. Herzlichen Glückwunsch an alle Neuruheständler: Wer nichts mehr hat, dem kann Christian Lindner auch nichts mehr wegnehmen, außer vielleicht die Hoffnung auf eine Rente mit achtundachtzig.

10.07.2026, 10:00 · Ausgabe Nr. 380

Original Nachricht

Die Zahl der Firmenpleiten ist im zweiten Quartal in Deutschland weiter gestiegen. Fast alle Branchen sind betroffen. Bei genauerem Hinsehen ist die Situation nicht ganz so dramatisch. Von Claudia Wehrle.

Quelle: tagesschau.de