
Alimente für den Algorithmus: Benzin wird billig, damit das Elend reicht
In einer Zeit, in der das deutsche Gemüt traditionell zwischen Schnappatmung am Kassenbon und Schizophrenie an der Zapfsäule changiert, verkünden Statistiker triumphierend den Sieg des Moleküls über die Inflation. Dank des gesunkenen Ölpreises und eines Tankrabatts, der ökonomisch so nachhaltig wirkt wie ein Pflaster auf einer Enthauptung, können Pendler nun endlich wieder mit dem wohligen Gefühl der ökologischen Gleichgültigkeit den Motor im Stand laufen lassen. Während die Nahrungsmittelpreise sinken und somit das Risiko minimieren, dass Geringverdiener versehentlich durch gesunde Ernährung die Rentenkasse belasten, zeigt sich die wahre Fratze des Kapitalismus im Dienstleistungssektor. Friseurbesuche sind mittlerweile so kostspielig, dass der durchschnittliche Bundesbürger bald die Wahl zwischen einer warmen Mahlzeit und einer Frisur hat, die nicht an eine gescheiterte Selbsthilfegruppe für Heißklebepistolen-Unfälle erinnert. Es ist die hohe Kunst der Arithmetik: Wenn der Dieselpreis fällt und die Butter günstiger wird, bleibt am Monatsende exakt genug übrig, um sich die steigenden Gebühren für den Psychotherapeuten zu leisten, den man braucht, um diese absurde ökonomische Achterbahnfahrt zu verkraften. Wir erleben den finalen Triumph der Logistik über den Verstand, bei dem das Kilo Schweinenacken weniger kostet als das Parkticket vor dem Supermarkt. Die Bundesregierung verkauft uns diesen statistischen Pyrrhussieg derweil als Erfolg, während der Bürger merkt, dass er zwar billiger zur Arbeit fahren kann, dort aber nur noch genug verdient, um sich die Melancholie über seine eigene Bedeutungslosigkeit im globalen Warenstrom ohne Zuckerzusatz zu finanzieren.