
Deutscher Standortvorteil: Fachkräftemangel durch industriellen Suizid elegant gelöst
Es ist eine wirtschaftshistorische Sensation von geradezu tragikomischem Ausmaß. Während deutsche Automobilvorstände noch darüber meditieren, ob man ein Spaltmaß eher homöopathisch oder existenziell interpretieren sollte, rollen chinesische E-Autos bereits in der Frequenz eines Fließband-Schlucksaufs über die Weltmeere. Der europäische Industriestandort, der sich jahrelang für die Krone der technologischen Schöpfung hielt, betrachtet die chinesische Exportoffensive derzeit mit der starren Fassungslosigkeit eines Kaninchens, das nicht nur die Schlange sieht, sondern bemerkt, dass die Schlange eine hocheffiziente, staatlich subventionierte Logistik-Software nutzt. Alfred Schmit analysiert messerscharf: Wir verlieren nicht nur Arbeitsplätze, wir outsourcen gewissermaßen unsere gesamte Existenzberechtigung an Menschen, die Kommasetzung in Excel-Tabellen nicht für eine unverbindliche Empfehlung halten. Während die hiesige Politik händeringend nach Schutzzöllen ruft – dem ökonomischen Äquivalent dazu, eine brennende Bibliothek mit einem feuchten Serviettenknödel zu löschen –, produziert China Elektronik und Industrieanlagen in einer Geschwindigkeit, bei der ein deutscher Beamter bereits beim reinen Zusehen einen Burnout in der Besoldungsgruppe A13 erleidet. Die bittere Pointe dieser industriellen Kernschmelze liegt jedoch in der deutschen Reaktion. Wir bekämpfen die drohende Bedeutungslosigkeit mit dem bewährten Dreiklang aus Bedenkenträgertum, Faxgeräten und der festen Überzeugung, dass ein VW Golf mit Software-Problemen kulturelles Erbe ist. Am Ende bleibt uns immerhin ein Trost: Wenn die letzte deutsche Fabrik schließt, haben wir endlich genug Zeit, um bei einer Tasse fair gehandeltem Tee darüber zu diskutieren, wie wir die chinesischen Roboter, die uns dann regieren, gendergerecht ansprechen können.