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In einer Sternstunde der ökonomischen Romantik hat das Bundeskartellamt verkündet, dass die Mineralölkonzerne beinahe den gesamten Tankrabatt an die darbende Bevölkerung weitergereicht haben. Es ist die rührendste Geschichte seit der Erfindung der Gewinnmaximierung: Während die Konzerne im Goldrausch ihrer Quartalszahlen baden, ließen sie gnädigerweise mickrige 80 Prozent der Steuersenkung bei den Endverbrauchern versickern. Das Kartellamt, treuer Wachhund des marktwirtschaftlichen Freiwildgeheges, schwärmt von einer Preislücke von lediglich vier Cent. Man muss sich das bildlich vorstellen: Während der Vorstand von Shell sich die Zigarren mit Fünfhundertern anzündet, blieben für den deutschen Familienvater immerhin noch drei Tropfen Super Plus übrig, die er nicht direkt mit seiner Altersvorsorge bezahlen musste. Dass die restlichen 20 Prozent in der bürokratischen Reibungshitze der Konzernbilanzen verdampft sind, gilt in Bonn quasi als humanitärer Akt. Die Behörde verkauft uns diese systematische Umverteilung von unten nach ganz oben als Erfolg der Marktkräfte, was ungefähr so glaubwürdig ist wie ein Diät-Ratgeber von Reiner Calmund. Offenbar erwartet das Kartellamt nun, dass die Bürger vor Dankbarkeit auf die Knie fallen, weil sie nicht bis auf das letzte Hemd gepfändet wurden, während sie ihr Auto für die Fahrt zum Zweitjob betanken. Wer braucht schon soziale Gerechtigkeit, wenn er stattdessen das mathematische Äquivalent eines feuchten Händedrucks von ExxonMobil erhält? Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Bundeskartellamt für den Verbraucherschutz etwa so nützlich ist wie eine Brandschutzverordnung in der Hölle, während die Mineralölmultis den Rest der Steuersenkung vermutlich unter der Rubrik Trinkgeld für die Belästigung durch Geringverdiener verbuchen.
Wirtschaft

Vier-Cent-Wunder: Kartellamt feiert Ölkonzerne für historisches Rest-Mitleid mit dem Pöbel

In einer Sternstunde der ökonomischen Romantik hat das Bundeskartellamt verkündet, dass die Mineralölkonzerne beinahe den gesamten Tankrabatt an die darbende Bevölkerung weitergereicht haben. Es ist die rührendste Geschichte seit der Erfindung der Gewinnmaximierung: Während die Konzerne im Goldrausch ihrer Quartalszahlen baden, ließen sie gnädigerweise mickrige 80 Prozent der Steuersenkung bei den Endverbrauchern versickern. Das Kartellamt, treuer Wachhund des marktwirtschaftlichen Freiwildgeheges, schwärmt von einer Preislücke von lediglich vier Cent. Man muss sich das bildlich vorstellen: Während der Vorstand von Shell sich die Zigarren mit Fünfhundertern anzündet, blieben für den deutschen Familienvater immerhin noch drei Tropfen Super Plus übrig, die er nicht direkt mit seiner Altersvorsorge bezahlen musste. Dass die restlichen 20 Prozent in der bürokratischen Reibungshitze der Konzernbilanzen verdampft sind, gilt in Bonn quasi als humanitärer Akt. Die Behörde verkauft uns diese systematische Umverteilung von unten nach ganz oben als Erfolg der Marktkräfte, was ungefähr so glaubwürdig ist wie ein Diät-Ratgeber von Reiner Calmund. Offenbar erwartet das Kartellamt nun, dass die Bürger vor Dankbarkeit auf die Knie fallen, weil sie nicht bis auf das letzte Hemd gepfändet wurden, während sie ihr Auto für die Fahrt zum Zweitjob betanken. Wer braucht schon soziale Gerechtigkeit, wenn er stattdessen das mathematische Äquivalent eines feuchten Händedrucks von ExxonMobil erhält? Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Bundeskartellamt für den Verbraucherschutz etwa so nützlich ist wie eine Brandschutzverordnung in der Hölle, während die Mineralölmultis den Rest der Steuersenkung vermutlich unter der Rubrik Trinkgeld für die Belästigung durch Geringverdiener verbuchen.

11.07.2026, 13:01 · Ausgabe Nr. 397

Original Nachricht

Das Bundeskartellamt zieht eine positive Bilanz des Tankrabatts: Rund 80 Prozent der Steuersenkung wurden an Verbraucher weitergegeben. Das Bundeskartellamt spricht von einer Preislücke von knapp vier Cent.

Quelle: tagesschau.de