
Realitätsallergie im Parkett: Wenn Algorithmen für den Weltfrieden halluzinieren
In Frankfurt herrscht aktuell jene Form von pathologischer Heiterkeit, die man sonst nur aus geschlossenen Abteilungen oder den Reden von Wirtschaftsministern kurz vor der Abwahl kennt. Detlev Landmesser beobachtet mit der stoischen Gelassenheit eines Bestatters, wie der DAX die Stratosphäre durchbricht, angetrieben von einer toxischen Mischung aus Künstlicher Intelligenz und der rührend naiven Hoffnung auf globale Harmonie. Es ist die großartige Ironie des Spätkapitalismus: Während die Weltpolitik zunehmend einem brennenden Müllcontainer gleicht, kaufen Börsianer Aktien, als hätte ChatGPT gerade das ewige Leben und die Abschaffung der Gravitation erfunden. Die KI-Euphorie hat mittlerweile ein Stadium erreicht, in dem Anleger vermutlich sogar in eine digitalisierte Brotscheibe investieren würden, solange man ihnen verspricht, dass ein Algorithmus das Kauen übernimmt. Diese Friedenshoffnungen an den Märkten sind dabei besonders drollig; sie wirken wie der Versuch, ein brennendes Waisenhaus mit einer höheren Dividende zu löschen. Man wettet hier nicht auf die Vernunft, sondern auf die totale algorithmische Narkose. Der Optimismus am Börsenplatz ist so künstlich wie die Lippen einer Reality-TV-Darstellerin und ebenso fragil. Wenn die nächste Zinsentscheidung wie eine kalte Dusche über die Champagner-Partys der Broker hereinbricht, wird man feststellen, dass eine KI zwar Lieder im Stil von Bach komponieren kann, aber leider keine Milliardenverluste wegzaubert, die auf reinem Wunschdenken basieren. Am Ende bleibt die Erkenntnis: An der Börse wird nicht mehr investiert, sondern kollektiv halluziniert, bis der letzte Praktikant merkt, dass man Rendite nicht essen kann.