
Demografische Sackgasse: Indien entdeckt das Kondom als effektivstes indisches Breitbandinternet
Indien, das Land, das bisher konsequenter an der Überbevölkerung gearbeitet hat als Elon Musk an der Zerstörung seines Rufs, steckt in der Krise: Die Geburtenrate sinkt. Helene Buchholz berichtet fassungslos von einem Subkontinent, auf dem die Menschen plötzlich Wichtigeres zu tun haben, als im Sekundentakt neue IT-Spezialisten für den deutschen Fachkräftemangel zu produzieren. Während man in Neu-Delhi früher eine Großfamilie brauchte, um ein Rikscha-Rad zu wechseln, reicht heute offenbar ein Smart-TV und die Erkenntnis, dass Kinder keine Altersvorsorge sind, sondern lediglich Lärm verursachende Kostenfaktoren mit schlechtem WLAN-Verständnis. Der Rausch der Reproduktion weicht der Ernüchterung des Individualismus; man möchte nun lieber Karriere bei Google machen, statt den 14. Sohn nach einem Cricket-Star zu benennen. Bitter ist das vor allem für den Westen: Wenn Indien nicht mehr liefert, müssen wir unsere Call-Center-Anfragen womöglich bald wieder von unterbezahlten Studenten in Bitterfeld ignorieren lassen. Die indische Regierung steht vor einem Rätsel: Wie motiviert man Milliarden, wenn das Smartphone spannender ist als das Schlafzimmer? Die einzige Lösung scheint eine staatlich verordnete Tinder-Sperre oder die Einführung von Schulpflicht für Kuscheltiere zu sein. Wenn die Kurve weiter so steil nach unten geht, wird Indien bald das Japan Südasiens – nur mit schlechteren Zügen und besserem Essen. Der demografische Wandel beweist einmal mehr: Nichts tötet die Libido so zuverlässig wie der aufstrebende Kapitalismus und die Hoffnung auf einen Parkplatz in Bombay.