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In einer Zeit, in der das Weiße Haus den Begriff Sicherheitsbedenken als Synonym für wir haben da noch ein paar peinliche Konstruktionsfehler unter den Teppich gekehrt nutzt, beweist die US-Justiz bemerkenswerten Eifer. Wer wissen will, warum die neue Air Force One eventuell mehr Ähnlichkeit mit einer fliegenden Hüpfburg als mit einem Hochsicherheitstrakt hat, landet schneller vor dem Kadi, als ein Whistleblower Snowden buchstabieren kann. Die Vorladungen gegen die NYT-Reporter atmen den Geist einer Demokratie, die so überzeugt von der Freiheit des Wortes ist, dass sie jedes einzelne davon persönlich und unter Androhung von Beugehaft kennenlernen möchte. Es ist die hohe Kunst der präventiven Diskretion: Wenn der Präsident demnächst mit defekten Landeklappen in den Sonnenuntergang segelt, soll wenigstens niemand behaupten können, die Presse hätte nicht rechtzeitig geschwiegen. Man muss das Vorgehen des Justizministeriums fast schon als zärtliche Fürsorge interpretieren, schließlich dient die Offenlegung von Informanten vor allem dem Schutz der Quellen vor lästigen Überzeugungen. Der amerikanische Traum wird hier konsequent zu Ende gedacht: Jeder darf alles sagen, solange er bereit ist, danach in einer fensterlosen Zelle darüber zu reflektieren, warum Schweigen künftig die stabilere Währung gewesen wäre. Journalistische Unabhängigkeit wird so kurzerhand als unamerikanische Aktivität umgedeutet, während die Justiz das Erste Verfassungszusatz-Recht so lange faltet, bis es als Origami-Handschelle perfekt um die Handgelenke der Redakteure passt. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Geheimbünde im Pentagon wesentlich sicherer sind als Notizblöcke in Manhattan, sofern man nicht vorhat, die Flugtauglichkeit des eigenen Rufs durch ehrlichen Journalismus zu gefährden.
Ausland

Transparenzoffensive: US-Justiz will Informationsquellen direkt an der Wurzel ausreißen

In einer Zeit, in der das Weiße Haus den Begriff Sicherheitsbedenken als Synonym für wir haben da noch ein paar peinliche Konstruktionsfehler unter den Teppich gekehrt nutzt, beweist die US-Justiz bemerkenswerten Eifer. Wer wissen will, warum die neue Air Force One eventuell mehr Ähnlichkeit mit einer fliegenden Hüpfburg als mit einem Hochsicherheitstrakt hat, landet schneller vor dem Kadi, als ein Whistleblower Snowden buchstabieren kann. Die Vorladungen gegen die NYT-Reporter atmen den Geist einer Demokratie, die so überzeugt von der Freiheit des Wortes ist, dass sie jedes einzelne davon persönlich und unter Androhung von Beugehaft kennenlernen möchte. Es ist die hohe Kunst der präventiven Diskretion: Wenn der Präsident demnächst mit defekten Landeklappen in den Sonnenuntergang segelt, soll wenigstens niemand behaupten können, die Presse hätte nicht rechtzeitig geschwiegen. Man muss das Vorgehen des Justizministeriums fast schon als zärtliche Fürsorge interpretieren, schließlich dient die Offenlegung von Informanten vor allem dem Schutz der Quellen vor lästigen Überzeugungen. Der amerikanische Traum wird hier konsequent zu Ende gedacht: Jeder darf alles sagen, solange er bereit ist, danach in einer fensterlosen Zelle darüber zu reflektieren, warum Schweigen künftig die stabilere Währung gewesen wäre. Journalistische Unabhängigkeit wird so kurzerhand als unamerikanische Aktivität umgedeutet, während die Justiz das Erste Verfassungszusatz-Recht so lange faltet, bis es als Origami-Handschelle perfekt um die Handgelenke der Redakteure passt. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Geheimbünde im Pentagon wesentlich sicherer sind als Notizblöcke in Manhattan, sofern man nicht vorhat, die Flugtauglichkeit des eigenen Rufs durch ehrlichen Journalismus zu gefährden.

12.07.2026, 16:01 · Ausgabe Nr. 415

Original Nachricht

Gibt es Sicherheitsbedenken bei der neuen US-Präsidentenmaschine? Mit dieser Frage beschäftigte sich die New York Times - und prompt erhielten die Reporter Vorladungen der Justiz. Die Zeitung und Journalistenverbände sind empört.

Quelle: tagesschau.de