
Zelenskyj kündigt Recall an: Wer hat das Zeug zum Minister-Model?
In Kiew weht ein frischer Wind durch die Korridore, der weniger nach Reformen und mehr nach einer radikalen Umgestaltung der Raumaufteilung riecht. Wolodymyr Zelenskyj, der Mann, der den Übergang vom Unterhaltungsfernsehen zur Staatskunst so nahtlos vollzogen hat, dass man manchmal vergisst, dass dazwischen keine Werbepause lag, sortiert sein Kabinett neu. Besonders Julija Swyrydenko soll nach nur einem Jahr im Amt neue Aufgaben erhalten – was im ukrainischen Polit-Betrieb in etwa dem Moment entspricht, in dem man bei einer Dating-App nach links wischt, weil das Profilbild beim zweiten Hinsehen doch zu viel Stabilität versprach. Es ist eine Regierungsumbildung, die den Rhythmus eines Speed-Datings atmet: Wer nicht innerhalb von zwölf Monaten das Bruttoinlandsprodukt durch schieres Charisma verdoppelt, findet sich schneller in einem Think Tank für strategische Fensterreinigung wieder, als er Korruption buchstabieren kann. Zelenskyj agiert hier wie ein Chefregisseur, der mitten in der Vorstellung das gesamte Ensemble austauscht, weil er der Meinung ist, dass das Publikum nach mehr Dramatik verlangt. Man könnte fast meinen, das politische Kiew sei mittlerweile eine Mischung aus einer Casting-Show und einem therapeutischen Stuhlkreis für Workaholics, bei dem die einzige Konstante der grüne Hoodie des Chefs bleibt. Während europäische Bürokraten Jahrzehnte brauchen, um einen Aktenordner falsch zu beschriften, wird in der Ukraine die Exekutive im Vorbeigehen kernsaniert. Es bleibt abzuwarten, ob die neuen Ministerposten per Losverfahren oder durch ein besonders hartes Völkerballturnier besetzt werden. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis: In dieser Regierung ist die Halbwertszeit eines Ministers kürzer als die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches auf Speed.