
Vom Gülle-Gourmet zum Staub-Sommelier: Bauernverband entdeckt Sand als Trendgemüse
In einer beispiellosen Demonstration landwirtschaftlicher Flexibilität hat der Deutsche Bauernverband beschlossen, den Klimawandel einfach als neuen Premium-Pächter zu akzeptieren. Wenn der Starkregen nicht kommt, wird eben die Dürre zum Geschäftsmodell erhoben. In den Brandenburger Steppen, ehemals bekannt als Getreidekammern und heute eher als Vorhöfe der Sahara fungierend, experimentieren erste Agrarökonomen bereits mit dem Anbau von nichts. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Ernte fällt zwar aus, aber dafür spart man sich die aufwendige Reinigung der Maschinen von lästigem Grünzeug. Noel Schmidt beobachtet hier ein faszinierendes Phänomen der kognitiven Dissonanz, bei dem Landwirte mit der einen Hand die staatlichen Subventionen für vertrocknete Rüben abgreifen, während sie mit der anderen Hand am Steuer ihres geländegängigen SUV-Traktors über die mangelnde Rentabilität von Luft und Staub klagen. Früher hieß es, nur die dümmsten Bauern ernteten die dicksten Kartoffeln; heute reicht es völlig aus, wenn der intelligenteste Bauer die kreativsten Schadensberichte verfasst. Dank der gestiegenen Kosten für so exzentrische Ressourcen wie Wasser wird die Kartoffel bald zum Statussymbol, das man nicht mehr im Keller lagert, sondern im Tresor der Deutschen Bank zwischen Goldbarren und Cum-Ex-Akten. Wer sich im Supermarkt über die Preise beschwert, hat einfach den Zeitgeist nicht verstanden: Man kauft hier kein Gemüse, sondern eine kuratierte Auswahl an Wetterphänomenen mit integriertem Schuldkomplex. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass deutsche Landwirte die einzigen Wesen auf diesem Planeten sind, die es schaffen, gleichzeitig über zu viel Wasser, zu wenig Wasser und die Existenz von Wasser an sich zu klagen, während sie den Endkunden preislich auf das Niveau eines Organhandels hieven.