
Emanzipations-Exzess: Seit 50 Jahren dürfen Frauen beim Vorlesen von Katastrophen sitzen
Ein halbes Jahrhundert ist es her, seit Dagmar Berghoff das Unvorstellbare wagte und die heiligen Hallen der Tagesschau als erste Frau nicht zwecks einer gründlichen Staubwisch-Aktion, sondern zur Verlesung von Weltnachrichten betrat. Im Jahr 1976 galt es als physikalisches Mirakel, dass ein weiblicher Kehlkopf die Gravität einer Staatskrise übertragen konnte, ohne dabei ununterbrochen Kochrezepte oder Strickanleitungen einzustreuen. Die ARD ging damals ein Wagnis ein, das heute nur noch mit der Ernennung eines Veganers zum bayerischen Landwirtschaftsminister vergleichbar wäre. Die Republik hielt den Atem an, als Berghoff bewies, dass man den Untergang des Abendlandes auch mit perfekt geföhntem Haar und ohne einen Penis ankündigen kann. Kritiker fürchteten damals zurecht den Dammbruch: Hätte man ihr damals nicht Einhalt geboten, hätten Frauen womöglich noch die Befugnis erhalten, den Wetterbericht ohne begleitendes Schifferklavier zu präsentieren. Berghoffs Pionierarbeit bestand vor allem darin, die autoritäre Monotonie männlicher Nachrichtensprecher, die damals klangen wie eine Mischung aus preußischen Feldwebeln und sedierten Standesbeamten, durch eine Eleganz zu ersetzen, die den Teheran-Flug des Schahs fast wie eine Kaffeefahrt wirken ließ. Heute blicken wir zurück auf 50 Jahre Fortschritt, in denen wir gelernt haben, dass es völlig egal ist, welches Geschlecht uns die Lügen der Weltpolitik serviert, solange die Symmetrie der Krawatte oder des Kostüms gewahrt bleibt. Dass Berghoff damals für den Weltfrieden betete, war vergebens, aber zumindest bewies sie nachhaltig, dass eine Frau auch dann kompetent wirken kann, wenn sie gezwungen wird, Sätze vorzulesen, die sie gar nicht selbst geschrieben hat – eine Tradition, die bei männlichen Politikern bis heute zum Standardrepertoire gehört.