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Fünfzig Jahre ist es her, seit südafrikanische Schüler feststellten, dass Afrikaans zwar hervorragend dazu geeignet ist, einen Traktor im Schlamm zu beleidigen, sich als obligatorische Unterrichtssprache für die Mathematik jedoch eher mäßig schlägt. Der Aufstand von Soweto markierte jenen bizarren Moment der Weltgeschichte, in dem ein rassistisches Regime ernsthaft glaubte, man könne ein ganzes Volk unterdrücken, indem man ihm Grammatikregeln aufzwingt, die klingen wie eine Mischung aus einer schweren Kehlkopfentzündung und einer gescheiterten IKEA-Bauanleitung. Während Stephan Ueberbach heute den Wendepunkt im Kampf gegen die Apartheid würdigt, erinnern wir uns an das strategische Genie der damaligen Regierung: Nichts schürt den Freiheitsdrang schließlich so sehr wie die Aussicht, Geodreieck-Winkel künftig in der Sprache derjenigen berechnen zu müssen, die einen am liebsten unter dem Rasenmäher sähen. Es war die Geburtsstunde des modernen Bildungsstreiks, lange bevor deutsche Gymnasiasten entdeckten, dass man für die Rettung des Weltklimas lediglich freitags den Bio-Unterricht schwänzen muss. Die historische Pointe dabei ist, dass die damalige Staatsmacht Bildung tatsächlich für so gefährlich hielt, dass sie diese mit eiserner Faust regulierte, während wir heute in westlichen Demokratien dazu übergegangen sind, die intellektuelle Selbstentwaffnung durch das exzessive Studium von Influencer-Profilen völlig freiwillig und bei vollem Bewusstsein durchzuführen. Dass die Apartheid am Ende kollabierte, lag vermutlich auch daran, dass man selbst mit dem größten Schlagstock niemanden dazu zwingen kann, Unrecht in einer Sprache zu rechtfertigen, die mehr Reibelaute als Vokale besitzt. Ein Hoch auf die Schüler von damals sie haben bewiesen, dass man gegen ein System nicht nur mit Steinen werfen kann, sondern auch mit der einfachen, unverschämten Forderung nach einem Lehrplan, der nicht von einem paranoiden Herrenreiter im Vollrausch entworfen wurde.
Ausland

Soweto 5.0: Als Bildung noch als gefährliches bürgerkriegstaugliches Rauschmittel eingestuft wurde

Fünfzig Jahre ist es her, seit südafrikanische Schüler feststellten, dass Afrikaans zwar hervorragend dazu geeignet ist, einen Traktor im Schlamm zu beleidigen, sich als obligatorische Unterrichtssprache für die Mathematik jedoch eher mäßig schlägt. Der Aufstand von Soweto markierte jenen bizarren Moment der Weltgeschichte, in dem ein rassistisches Regime ernsthaft glaubte, man könne ein ganzes Volk unterdrücken, indem man ihm Grammatikregeln aufzwingt, die klingen wie eine Mischung aus einer schweren Kehlkopfentzündung und einer gescheiterten IKEA-Bauanleitung. Während Stephan Ueberbach heute den Wendepunkt im Kampf gegen die Apartheid würdigt, erinnern wir uns an das strategische Genie der damaligen Regierung: Nichts schürt den Freiheitsdrang schließlich so sehr wie die Aussicht, Geodreieck-Winkel künftig in der Sprache derjenigen berechnen zu müssen, die einen am liebsten unter dem Rasenmäher sähen. Es war die Geburtsstunde des modernen Bildungsstreiks, lange bevor deutsche Gymnasiasten entdeckten, dass man für die Rettung des Weltklimas lediglich freitags den Bio-Unterricht schwänzen muss. Die historische Pointe dabei ist, dass die damalige Staatsmacht Bildung tatsächlich für so gefährlich hielt, dass sie diese mit eiserner Faust regulierte, während wir heute in westlichen Demokratien dazu übergegangen sind, die intellektuelle Selbstentwaffnung durch das exzessive Studium von Influencer-Profilen völlig freiwillig und bei vollem Bewusstsein durchzuführen. Dass die Apartheid am Ende kollabierte, lag vermutlich auch daran, dass man selbst mit dem größten Schlagstock niemanden dazu zwingen kann, Unrecht in einer Sprache zu rechtfertigen, die mehr Reibelaute als Vokale besitzt. Ein Hoch auf die Schüler von damals sie haben bewiesen, dass man gegen ein System nicht nur mit Steinen werfen kann, sondern auch mit der einfachen, unverschämten Forderung nach einem Lehrplan, der nicht von einem paranoiden Herrenreiter im Vollrausch entworfen wurde.

17.06.2026, 04:01 · Ausgabe Nr. 46

Original Nachricht

Vor genau 50 Jahren gingen im südafrikanischen Township Soweto Tausende Schüler auf die Straße. Der Aufstand markierte einen Wendepunkt im Kampf der schwarzen Bevölkerungsmehrheit gegen das rassistische Apartheid-System. Von Stephan Ueberbach.

Quelle: tagesschau.de