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In Bunia weht ein Hauch von Romantik durch die sterile Luft, wobei die einzige wirkliche Ansteckungsgefahr derzeit von den fragwürdigen Schlagern der Hochzeitsbands ausgeht. Kai Bensch berichtet von Menschen, die sich weigern, ihr Leben von mikroskopisch kleinen Spielverderbern bestimmen zu lassen, während die Nationalmannschaft auf dem Platz zeigt, dass man auch ohne physischen Kontakt zum Ball kollektiv scheitern kann. Wer braucht schon epidemiologische Vorsichtsmaßnahmen, wenn die Defensive der Leoparden ohnehin löchriger ist als ein Schweizer Käse in der Tropensonne? Die verunsicherte Bevölkerung von Ituri versucht nun den Spagat zwischen ritueller Umarmung und dem paranoiden Distanzbedürfnis eines deutschen Finanzbeamten im Sabbatjahr. Es ist die hohe Kunst der Verdrängung: Während die internationale Gemeinschaft besorgt auf die Statistiken starrt, konzentriert man sich vor Ort lieber auf die Tortenglasur, die unter der äquatorialen Hitze schneller zerfließt als die Versprechungen der lokalen Politik. Wenn der WM-Auftritt der Nationalmannschaft zur existenziellen Ablenkung taugt, dann nur, weil die Zuschauer gelernt haben, dass wahre Schmerzen nicht von Viren, sondern von vergebenen Elfmetern verursacht werden. Man feiert die Feste, wie sie fallen, vorzugsweise weit weg von jeder Vernunft, denn im Kongo weiß man längst: Die Ehe ist die einzige Institution, in der man sich freiwillig einer lebenslangen Quarantäne unterwirft, ohne dass die Weltgesundheitsorganisation ein Mitspracherecht hätte. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass ein geplatzter Traum vom Weltmeistertitel deutlich länger nachwirkt als jede gesundheitliche Warnstufe, da sportliche Inkompetenz im Gegensatz zu Infektionskrankheiten leider völlig therapieresistent ist.
Ausland

Kongo-Krise: Wenn die Vuvuzela leiser dröhnt als der soziale Isolationszwang

In Bunia weht ein Hauch von Romantik durch die sterile Luft, wobei die einzige wirkliche Ansteckungsgefahr derzeit von den fragwürdigen Schlagern der Hochzeitsbands ausgeht. Kai Bensch berichtet von Menschen, die sich weigern, ihr Leben von mikroskopisch kleinen Spielverderbern bestimmen zu lassen, während die Nationalmannschaft auf dem Platz zeigt, dass man auch ohne physischen Kontakt zum Ball kollektiv scheitern kann. Wer braucht schon epidemiologische Vorsichtsmaßnahmen, wenn die Defensive der Leoparden ohnehin löchriger ist als ein Schweizer Käse in der Tropensonne? Die verunsicherte Bevölkerung von Ituri versucht nun den Spagat zwischen ritueller Umarmung und dem paranoiden Distanzbedürfnis eines deutschen Finanzbeamten im Sabbatjahr. Es ist die hohe Kunst der Verdrängung: Während die internationale Gemeinschaft besorgt auf die Statistiken starrt, konzentriert man sich vor Ort lieber auf die Tortenglasur, die unter der äquatorialen Hitze schneller zerfließt als die Versprechungen der lokalen Politik. Wenn der WM-Auftritt der Nationalmannschaft zur existenziellen Ablenkung taugt, dann nur, weil die Zuschauer gelernt haben, dass wahre Schmerzen nicht von Viren, sondern von vergebenen Elfmetern verursacht werden. Man feiert die Feste, wie sie fallen, vorzugsweise weit weg von jeder Vernunft, denn im Kongo weiß man längst: Die Ehe ist die einzige Institution, in der man sich freiwillig einer lebenslangen Quarantäne unterwirft, ohne dass die Weltgesundheitsorganisation ein Mitspracherecht hätte. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass ein geplatzter Traum vom Weltmeistertitel deutlich länger nachwirkt als jede gesundheitliche Warnstufe, da sportliche Inkompetenz im Gegensatz zu Infektionskrankheiten leider völlig therapieresistent ist.

17.06.2026, 10:01 · Ausgabe Nr. 53

Original Nachricht

Wie feiert man die eigene Hochzeit oder den WM-Auftritt der Nationalmannschaft, während Ebola grassiert? Die Menschen im kongolesischen Bunia sind verunsichert. Doch die Angst soll das Leben nicht beherrschen. Von K. Bensch.

Quelle: tagesschau.de