
Puzzle-Monopolist schluckt Plüsch-Diktator: Ravensburger bastelt sich jetzt die perfekte Kuschel-Oligarchie
In einer Zeit, in der die Realität ohnehin in zehntausend Einzelteile zerfällt, setzt der Ravensburger Konzern auf totale Konsolidierung und verleibt sich den Traditionsbären-Züchter Steiff ein. Es ist die strategische Hochzeit zwischen der kühlen Arithmetik des blauen Dreiecks und dem hochemotionalen Knopf im Ohr. Branchenkenner vermuten hinter dem Deal den perfekten Masterplan zur Erziehung des idealen Untertanen nach schwäbischem Vorbild: Zuerst wird das Kind durch stundenlanges Suchen nach dem exakt passenden Eckstück eines 2000-Teile-Panoramas von Schloss Neuschwanstein in den Zustand vollkommener Apathie und Frustrationstoleranz getrieben, nur um anschließend Trost bei einem überteuerten Klumpen Mohair-Wolle zu suchen, der preislich irgendwo zwischen einer mittelgroßen Eigentumswohnung und einer Knieoperation liegt. Mit dieser Fusion entsteht ein Spielwaren-Komplex, gegen den das Kartellamt so machtlos ist wie ein Dreijähriger ohne Feinmotorik vor einem Puzzle der Schwierigkeitsstufe 'Professional'. Es ist die Professionalisierung des Kinderzimmers zur Renditehölle. Während Ravensburger bisher nur für die intellektuelle Demütigung ganzer Generationen durch unlösbare Motive zuständig war, kann man nun endlich auch haptisch zuschlagen. Man darf gespannt sein, wann die ersten Plüschtiere in exakt 500 handliche Stücke zerlegt ausgeliefert werden, die man erst mühsam zusammennähen muss, bevor das Kind das erste Wort 'Bausparvertrag' stammeln darf. Am Ende dieser feindlichen Übernahme der deutschen Kindheit steht die Erkenntnis, dass im globalen Wettbewerb nur der überlebt, der sowohl die Geduld als auch das Kuschelbedürfnis der Konsumenten mit der Präzision einer chirurgischen Amputation monetarisiert.