
Flucht vor der Realität: Warum Deutsche lieber im Horror-Labyrinth festsitzen
Wenn die Bundesrepublik ein Ort wäre, dann wohl ein schlecht beleuchteter Flur mit Schimmelgeruch und der ästhetischen Anmutung einer Finanzamt-Wartezone. Der Low-Budget-Horror Backrooms trifft den deutschen Zeitgeist so präzise wie eine verspätete Regionalbahn das Gleis verfehlt. Millionen Zuschauer starren gebannt auf vergilbte Tapeten und fragen sich, warum die Protagonisten eigentlich panisch fliehen, wo das Setting doch eins zu eins der Innenarchitektur moderner Coworking-Spaces in Berlin-Mitte oder dem Keller von Olaf Scholz’ Gedächtnisprotokollen entspricht. Regisseur Kane Parsons beweist, dass man für echten Horror keine teuren Effekte braucht; es reicht das visuelle Äquivalent einer Steuererklärung in Endlosschleife. Die Faszination für das endlose Nichts ist logisch, denn wer täglich durch die bürokratischen Labyrinthe hiesiger Behörden irrt, empfindet die Backrooms fast schon als übersichtliches Upgrade mit besserem Lichtkonzept. Während die Welt im Chaos versinkt, bietet der Film eine beruhigende Konstante: Man kommt einfach niemals irgendwo an. Es ist die perfekte filmische Aufarbeitung der deutschen Digitalisierungsstrategie – ein gelber, leerer Raum ohne Empfang, in dem man zwangsläufig verrückt wird, weil das einzige Lebenszeichen ein Summen ist, das verdächtig nach einem defekten Faxgerät klingt. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der wahre Grusel nicht in den gelben Tapeten liegt, sondern in der Tatsache, dass wir Eintritt bezahlen, um zwei Stunden lang unser eigenes Berufsleben zu betrachten, nur ohne die Hoffnung auf eine bezahlte Mittagspause.