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In einer beispiellosen Demonstration von Fortschrittsangst und technologischem Phantomschmerz hat die Bundesbank das Undenkbare bestätigt: Der Deutsche lässt sein geliebtes, von Keimen und nostalgischem Schweiß durchtränktes Bargeld im Portemonnaie verschimmeln. Jahrhunderte lang war die Haptik eines Zehn-Euro-Scheins das einzige, was dem teutonischen Gemüt zwischen Sparbuch-Erotik und Kehrwoche noch Halt gab. Doch nun bricht das Fundament der nationalen Identität weg, als hätte man das Reinheitsgebot durch laktosefreien Haferdrink ersetzt. Die Bundesbank-Studie belegt, dass selbst der stoische Durchschnittsalmanach mittlerweile begriffen hat, dass das Hantieren mit Kupfergeld an der Supermarktkasse weniger ein Akt der Freiheit als vielmehr eine mutwillige Nötigung der nachfolgenden Generationen ist. Während wir uns bisher damit brüsteten, Anonymität durch physische Metalle zu erkaufen, dämmert nun die Erkenntnis, dass der Staat ohnehin bereits weiß, dass wir dienstags um elf bei Lidl Schmelzkäse und Billigfusel erwerben. Der Trend zum bargeldlosen Zahlen markiert das Ende einer Ära, in der man sich gegenüber dem Kellner noch wie ein kleiner Feudalherr fühlen konnte, wenn man ihm mühsam abgezählte Centstücke als Trinkgeld in die Hand drückte. Es ist der endgültige Sieg der Bequemlichkeit über die Paranoia; ein kultureller Kahlschlag, der zeigt, dass der Deutsche bereit ist, seine Seele an einen Halbleiter in Cupertino zu verkaufen, solange er dafür nicht mehr das Kleingeldfach seiner verbeulten Lederbörse nach einer Fünf-Cent-Münze durchwühlen muss. Am Ende bleibt nur die bittere Gewissheit: Wer nicht mit der Karte zahlt, wird künftig als technisches Relikt behandelt, ähnlich wie Faxgeräte, Kohleheizungen oder die politische Relevanz der FDP.
Wirtschaft

Endzeit in der Lederhose: Deutsche kapitulieren vor der digitalen Zahlungsmoderne

In einer beispiellosen Demonstration von Fortschrittsangst und technologischem Phantomschmerz hat die Bundesbank das Undenkbare bestätigt: Der Deutsche lässt sein geliebtes, von Keimen und nostalgischem Schweiß durchtränktes Bargeld im Portemonnaie verschimmeln. Jahrhunderte lang war die Haptik eines Zehn-Euro-Scheins das einzige, was dem teutonischen Gemüt zwischen Sparbuch-Erotik und Kehrwoche noch Halt gab. Doch nun bricht das Fundament der nationalen Identität weg, als hätte man das Reinheitsgebot durch laktosefreien Haferdrink ersetzt. Die Bundesbank-Studie belegt, dass selbst der stoische Durchschnittsalmanach mittlerweile begriffen hat, dass das Hantieren mit Kupfergeld an der Supermarktkasse weniger ein Akt der Freiheit als vielmehr eine mutwillige Nötigung der nachfolgenden Generationen ist. Während wir uns bisher damit brüsteten, Anonymität durch physische Metalle zu erkaufen, dämmert nun die Erkenntnis, dass der Staat ohnehin bereits weiß, dass wir dienstags um elf bei Lidl Schmelzkäse und Billigfusel erwerben. Der Trend zum bargeldlosen Zahlen markiert das Ende einer Ära, in der man sich gegenüber dem Kellner noch wie ein kleiner Feudalherr fühlen konnte, wenn man ihm mühsam abgezählte Centstücke als Trinkgeld in die Hand drückte. Es ist der endgültige Sieg der Bequemlichkeit über die Paranoia; ein kultureller Kahlschlag, der zeigt, dass der Deutsche bereit ist, seine Seele an einen Halbleiter in Cupertino zu verkaufen, solange er dafür nicht mehr das Kleingeldfach seiner verbeulten Lederbörse nach einer Fünf-Cent-Münze durchwühlen muss. Am Ende bleibt nur die bittere Gewissheit: Wer nicht mit der Karte zahlt, wird künftig als technisches Relikt behandelt, ähnlich wie Faxgeräte, Kohleheizungen oder die politische Relevanz der FDP.

18.06.2026, 04:00 · Ausgabe Nr. 60

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Zahlungen mit Karte oder Smartphone werden in Deutschland immer üblicher. Erstmals zahlten Verbraucher vergangenes Jahr häufiger bargeldlos als mit Scheinen oder Münzen, wie eine Bundesbank-Studie zeigt. Von Ursula Mayer.

Quelle: tagesschau.de