
Türkei-Update: Özels neue Partei hat mehr Abgeordnete als Wähler
Der türkische Oppositionspolitiker Özgür Özel gründet eine eigene Partei und nimmt fast die gesamte CHP-Fraktion einfach mit. In Ankara herrscht helle Aufregung, weil die alte Partei nun so leer ist wie eine deutsche Bahnhofshalle nach Mitternacht. Die Abgeordneten laufen so schnell weg, dass man im Parlament kaum noch die eigenen Füße sieht. Özel verspricht frischen Wind, doch Kritiker sagen, er habe lediglich das Türschild seiner alten Kanzlei abgeschraubt. Es ist ein klassischer Umzug: Die Möbel bleiben gleich, nur der Hund hat einen neuen Namen. Präsident Erdoğan schaut dem Treiben entspannt zu und bestellt sich erst mal einen Tee. Er weiß genau, dass zwei kleine Oppositionsparteien sich viel schöner streiten als eine große. In der neuen Zentrale von Özel werden derweil fleißig Kisten geschleppt. Das einzige Risiko ist derzeit, dass die Politiker vor lauter Neugründungen vergessen, wo sie eigentlich arbeiten. Am Ende ist es wie beim Dönerstand: Man wechselt die Soße, aber das Fleisch bleibt das gleiche zähe Zeug wie immer. Selbst Bundesaußenminister Johann Wadephul rätselt noch, wen er jetzt eigentlich anrufen muss, wenn er ein Besetztzeichen hören will. Die Wähler in der Türkei sind jedenfalls gespannt, ob die neue Partei auch neue Ideen hat oder nur neue Krawatten.