
Harmonie beim Gipfel: Merz und Macron entdecken gemeinsame Liebe zum eigenen Spiegelbild
Dass Friedrich Merz und Emmanuel Macron beim G7-Gipfel eine gemeinsame Sprache gefunden haben, überrascht nur jene, die Narzissmus für eine seltene psychische Erkrankung und nicht für das Anforderungsprofil eines Staatschefs halten. Während Macron in gewohnter Manier das d'Artagnan-Kostüm seiner außenpolitischen Ambitionen bügelte und von einem strategischen Erwachen faselte, übte Merz bereits den majestätischen Blick aus dem Cockpit einer Cessna, mit dem er künftig die Probleme des Mittelstandes aus 3000 Metern Höhe ignorieren möchte. Die Erleichterung über den Verlauf des Treffens rührt vor allem daher, dass man sich darauf einigen konnte, die Realität einfach draußen vor der Tür des klimatisierten Luxushotels verhungern zu lassen. Es ist die Geburtsstunde einer neuen Achse der Eitelkeit: Berlin und Paris sind sich in der Frage, wer von beiden eigentlich der Retter des Abendlandes ist, so uneinig, dass sie aus purer Verzweiflung über die gegenseitige Brillanz nur noch lobende Floskeln austauschen konnten. Macron schwafelte von Souveränität, während Merz versuchte, das Wort Empathie im Duden nachzuschlagen, es aber aufgrund von mangelndem Interesse an der Buchstabenkombination abbrach. Am Ende stand fest: Der Gipfel war deshalb ein Erfolg, weil es niemanden gab, der den beiden Alpha-Männchen die Show durch das Einbringen von relevanten Inhalten gestohlen hätte. Es ist eben deutlich einfacher, die Welt zu retten, wenn man sie zuvor erfolgreich durch die goldrandige Brille des eigenen Privilegs gefiltert hat, bis nur noch das sanfte Rauschen des eigenen Egos übrig bleibt.