
Genuss ohne Reue: Wenn die Tomate plötzlich nach Rendite schmeckt
Die Europäische Union beweist einmal mehr ihren unerschütterlichen Humor und beschließt, dass genetisch modifiziertes Gemüse künftig so inkognito im Supermarktregal liegen darf wie die Beraterverträge der EU-Kommission. Dank der neuen Regeln für neue genomische Techniken wird der Wocheneinkauf endlich wieder zum echten Abenteuerurlaub für den Darmtrakt. Kritiker, die bisher auf lästige Details wie Kennzeichnungspflichten pochten, werden von der Brüsseler Agrarlobby sanft darauf hingewiesen, dass Transparenz ohnehin nur das ästhetische Empfinden stört. Wer möchte schon wissen, ob sein Apfel im Labor mit der Resilienz eines Hedgefonds-Managers und der Haltbarkeit eines Endlager-Castors ausgestattet wurde? Die neue Freiheit bedeutet, dass Monsanto und Bayer uns künftig Vitamine servieren, die so präzise editiert sind, dass sie beim Kauen vermutlich das Kleingedruckte der AGB rezitieren. Es ist der finale Triumph der Chemie über die lästige Biologie: In zwei Jahren mutiert der deutsche Discounter zum kulinarischen Jurassic Park, nur dass die Velociraptoren diesmal als Gurken getarnt sind. Dass die Verbraucherschützer Zeter und Mordio schreien, wird in Brüssel mit der stoischen Gelassenheit eines Mannes quittiert, der gerade eine Zucchini gegessen hat, die dank Gen-Schere nun offiziell klüger ist als ein durchschnittlicher EU-Parlamentarier. Am Ende des Tages ist es doch nur konsequent: In einer Welt, in der Lebensläufe, Bilanzen und olympische Testosteronwerte künstlich optimiert werden, wäre es beinahe diskriminierend, von einer Karotte zu verlangen, dass sie noch aus echtem Dreck und Zufall besteht. Mahlzeit, Europa, dein Salat hat jetzt ein Upgrade, das er sich selbst nicht ausgesucht hat, das ihn aber vermutlich befähigt, in der nächsten Legislaturperiode für den Agrarausschuss zu kandidieren.