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Während Michael-Matthias Nordhardt uns mit der stoischen Gelassenheit eines sibirischen Eiskunstläufers erklärt, dass die Raumtemperatur im Büro gefälligst nicht die 35-Grad-Marke knacken sollte, blickt die deutsche Wirtschaftselite amüsiert auf das niedere Stimmvieh herab. Die rechtlichen Leitplanken für Hitze am Arbeitsplatz lesen sich wie ein kulinarisches Rezept für Humankapital im eigenen Saft. Ab 26 Grad soll der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen ergreifen, was in der Realität meist bedeutet, dass der Chef persönlich vorbeikommt, um die Jalousien herunterzulassen, damit man sein eigenes Elend nicht mehr im prallen Sonnenlicht betrachten muss. In Schulen ist die Lage noch delikater: Wer braucht schon Hitzefrei, wenn man das Klassenzimmer auch einfach als architektonische Hommage an ein türkisches Dampfbad begreifen kann? Pädagogisch wertvoll wird hier simuliert, wie sich das Klima nach dem endgültigen Scheitern des Pariser Abkommens anfühlt – eine Art immersive Vorbereitung auf die Apokalypse, nur ohne das lästige Popcorn. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz empfiehlt ernsthaft das Tragen luftiger Kleidung, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Buchhalter in der Frankfurter Innenstadt bald im hellblauen Seiden-Pareo die Insolvenzverschleppung seiner Mandanten tippt. Die ultimative Punchline der deutschen Arbeitsstättenverordnung ist jedoch der Passus, dass erst ab 35 Grad der Raum nicht mehr als Arbeitsraum geeignet ist. Das ist die bürokratische Umschreibung für die Tatsache, dass man in Deutschland erst dann offiziell aufhören darf zu schuften, wenn das eigene Blut siedet und die Tastatur bereits molekulare Verbindungen mit den Fingerspitzen eingeht. Ein Hoch auf die Effizienz: Der Tod durch Hitzschlag ist zwar verboten, aber das langsame Garen im Niedrigtemperaturbereich bei voller Produktivität ist das neue Wellness-Modell für den Standort Deutschland.
Panorama

Sommermärchen Arbeitspflicht: Wenn der Schreibtischstuhl zum Grillrost für Geringverdiener wird

Während Michael-Matthias Nordhardt uns mit der stoischen Gelassenheit eines sibirischen Eiskunstläufers erklärt, dass die Raumtemperatur im Büro gefälligst nicht die 35-Grad-Marke knacken sollte, blickt die deutsche Wirtschaftselite amüsiert auf das niedere Stimmvieh herab. Die rechtlichen Leitplanken für Hitze am Arbeitsplatz lesen sich wie ein kulinarisches Rezept für Humankapital im eigenen Saft. Ab 26 Grad soll der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen ergreifen, was in der Realität meist bedeutet, dass der Chef persönlich vorbeikommt, um die Jalousien herunterzulassen, damit man sein eigenes Elend nicht mehr im prallen Sonnenlicht betrachten muss. In Schulen ist die Lage noch delikater: Wer braucht schon Hitzefrei, wenn man das Klassenzimmer auch einfach als architektonische Hommage an ein türkisches Dampfbad begreifen kann? Pädagogisch wertvoll wird hier simuliert, wie sich das Klima nach dem endgültigen Scheitern des Pariser Abkommens anfühlt – eine Art immersive Vorbereitung auf die Apokalypse, nur ohne das lästige Popcorn. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz empfiehlt ernsthaft das Tragen luftiger Kleidung, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Buchhalter in der Frankfurter Innenstadt bald im hellblauen Seiden-Pareo die Insolvenzverschleppung seiner Mandanten tippt. Die ultimative Punchline der deutschen Arbeitsstättenverordnung ist jedoch der Passus, dass erst ab 35 Grad der Raum nicht mehr als Arbeitsraum geeignet ist. Das ist die bürokratische Umschreibung für die Tatsache, dass man in Deutschland erst dann offiziell aufhören darf zu schuften, wenn das eigene Blut siedet und die Tastatur bereits molekulare Verbindungen mit den Fingerspitzen eingeht. Ein Hoch auf die Effizienz: Der Tod durch Hitzschlag ist zwar verboten, aber das langsame Garen im Niedrigtemperaturbereich bei voller Produktivität ist das neue Wellness-Modell für den Standort Deutschland.

18.06.2026, 07:01 · Ausgabe Nr. 64

Original Nachricht

Die Hitze in den kommenden Tagen kann auch am Arbeitsplatz und in der Schule schnell zur Belastung werden. Welche Regeln gelten, wenn die Temperatur immer weiter steigt? Ein Überblick. Von Michael-Matthias Nordhardt.

Quelle: tagesschau.de