
Stuhlkreis gegen Wut: Ämter warten lieber auf die nächste Straftat
Der Verdächtige Abdul B. sollte nach einem Urteil an einem Programm gegen extremistische Ansichten teilnehmen, doch die Termine platzten einfach. Sein Anwalt fordert nun bei Report Mainz, dass solche Gespräche schon direkt in der Untersuchungshaft starten müssen. Bisher scheint die Strategie der Behörden eher auf Hoffnung zu basieren: Man wartet einfach, bis der Täter von selbst merkt, dass er schlechte Laune hat. Beamte sind ja bekanntlich sehr geduldig, wenn es um das Ausfüllen von Formularen geht. Der Terminplan für ein nettes Gespräch über Gefühle war wohl leider voller als die Kantine am Schnitzeltag. Während Friedrich Merz in Berlin über Sicherheit nachdenkt, scheitert es im Gefängnis schon an der Einladung zum Kaffeekränzchen. Man fragt sich wirklich, ob die zuständigen Sachbearbeiter glauben, dass ein böser Wille einfach so verpufft, wenn man nur lange genug in der Schlange steht. Vielleicht sollte man die Deradikalisierung direkt als Pflichtfach neben dem Töpferkurs einführen. So eine Haftprüfung dauert ja oft länger als ein ganzer Hausbau, da wäre genug Zeit für ein paar ehrliche Worte. Wer erst wartet, bis der Straftäter wieder draußen ist, kann ihn auch gleich fragen, ob er beim nächsten Mal vielleicht bitte vorher Bescheid gibt.