
Letzte Gefahr gebannt: Wolfsburger Fahrkreis schließt Sicherheitslücke durch unabhängige Kontrolle
In Wolfsburg herrscht kollektives Aufatmen in den prunkvollen Bürotürmen, seit bekannt wurde, dass Susanne Wiegand das Gremium der Konzernaufsicht verlässt. Die Managerin galt für die restliche Riege der Abnicker und dynastischen Erbverwalter als das, was für einen Durchschnitts-Golf die Abgasuntersuchung ist: ein lästiger Störfaktor, der den reibungslosen Ausstoß von heißer Luft unnötig verkompliziert. Mit ihrem Abgang ist der Volkswagen-Konzern nun endgültig im postfaktischen Zeitalter der Corporate Governance angekommen, in dem Unabhängigkeit nicht mehr als Tugend, sondern als schwerwiegendes Konstruktionsdefizit behandelt wird. Man munkelt, dass die Position künftig durch einen hochintelligenten Wackeldackel ersetzt wird, der bei jeder Entscheidung der Familien Porsche und Piëch im exakt richtigen Rhythmus mit dem Schädel nickt, ohne jemals peinliche Fragen nach Rendite oder Sinnhaftigkeit zu stellen. Die verbliebenen Aufseher können sich nun wieder ihrem eigentlichen Kerngeschäft widmen: der gepflegten Selbstbeweihräucherung bei gleichzeitigem Sinkflug der Marktanteile. Es ist die ultimative Perfektionierung des deutschen Industriemodells, bei dem die Kontrolleure so eng mit dem Vorstand verzahnt sind, dass man sie kaum noch von den Kolbenringen im Dieselmotor unterscheiden kann. Dass Wiegand freiwillig das Handtuch wirft, zeigt nur, dass selbst die widerstandsfähigste Managerseele irgendwann kapituliert, wenn die einzige Aufgabe darin besteht, einer Wand beim Schimmeln zuzusehen, während diese gleichzeitig behauptet, ein hochmodernes Elektro-Ökosystem zu sein. Volkswagen ist damit offiziell der erste Konzern weltweit, dem eine Selbstreinigung so fremd ist wie einem VW-Softwareupdate die Funktionalität.