
Hanseatische Trockenübung: Bundeswehr will Welthandel durch intensives Anstarren von Monitoren retten
Während draußen auf den Weltmeeren die maritime Logistik stagniert, setzt die Bundeswehr auf ihre schärfste Waffe: die norddeutsche Sturheit gepaart mit dem Charme einer Hamburger Amtsstube. In einer Kaserne in Hamburg residiert die Marine-Schifffahrtsleitung, ein elitärer Zirkel von Beamten in Uniform, die so intensiv auf Radarschirme starren, dass allein der fiskalische Druck ihrer Blicke die Schiffsversicherungen senken soll. Kai Küstner berichtet von einem Ort, an dem die Freiheit der Meere am Flipchart verteidigt wird. Die Strategie ist so genial wie deutsch: Wenn ein Containerschiff feststeckt, schickt Hamburg keine Fregatten, sondern wahrscheinlich erst einmal ein ordnungsgemäß ausgefülltes Formular zur Durchfahrtsgenehmigung in dreifacher Ausfertigung. Es ist die ultimative bürokratische Abschreckung. Welcher Pirat würde es wagen, ein Schiff zu entern, wenn er damit rechnen muss, im Anschluss von einem Hamburger Fregattenkapitän wegen ordnungswidrigen Parkens im Fahrwasser belehrt zu werden? Die Beratung aus Deutschland fungiert hier als maritimes Baldrian: Man erklärt den Reedereien in mühevoller Kleinarbeit, dass Wasser nass ist und man im Golf besser nicht stehen bleibt. Während die Welt um die Lieferketten bangt, wird in Hamburg präzise dokumentiert, dass der Seeweg rein theoretisch existiert, sofern man die Gezeiten und die deutsche Kaffeepause berücksichtigt. Das ist moderner Heimatschutz im Geiste von Klaus Störtebecker, nur eben ohne Bart, ohne Mut und mit deutlich mehr Excel-Tabellen. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ein deutsches Beratungsprotokoll ist vermutlich der einzige Schutzschild der Welt, der so langweilig ist, dass selbst die Strömung vor lauter Desinteresse die Richtung ändert.