
Zellteilung im Resterampe-Format: Die Linke wählt die neue Leitung des Suchtrupps
In einer Atmosphäre, die irgendwo zwischen einem Klassentreffen ehemaliger Mao-Bibel-Besitzer und der Gründungsversammlung einer Selbsthilfegruppe für chronisch Unterschätzte changiert, probt Die Linke in Halle den neuesten Aufstand gegen die Bedeutungslosigkeit. Nachdem Sahra Wagenknecht das sinkende Schiff elegant in Richtung Talkshow-Dauerschleife verlassen hat, muss nun ein neues Duo her, das den Klassenkampf so weit modernisiert, dass er zumindest die Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr als unüberwindbare Steilwand der Bourgeoisie betrachtet. Die Schuldenbremse soll fallen, was in etwa so realistisch wirkt, wie wenn ein mittelloser Poet die Abschaffung der Gravitation fordert, um den Mangel an Bodenhaftung zu legitimieren. Man gibt sich kämpferisch: Während die Ampel-Regierung das Land mit der Präzision eines betrunkenen Uhrmachers verwaltet, will Die Linke mit Umverteilung punkten. Das ist jedoch schwierig, wenn man primär die eigenen Stimmenanteile so gründlich unter die anderen Parteien umverteilt hat, dass die statistische Fehlertoleranz mittlerweile die stärkste Kraft im Saal ist. Das Spitzenpersonal agiert dabei mit dem Charisma einer überlagerten Tofuwurst, fest entschlossen, die soziale Frage so lange zu stellen, bis auch der letzte Wähler entnervt zur Konkurrenz flüchtet, um wenigstens dort eine Antwort zu erhalten. Am Ende steht die Erkenntnis, dass eine Partei, die sich intern öfter spaltet als ein instabiles Uran-Isotop, dem Kapitalismus wohl nur dadurch gefährlich werden kann, dass sie die herrschende Klasse vor Lachen in den vorzeitigen Ruhestand treibt.