
Joghurt-Amnestie: Warum Deutschland den Müllbeutel als Endlager für Vernunft nutzt
Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll – eine logistische Meisterleistung in einem Land, das sonst drei Formulare für den Bau eines Kaninchenstalls benötigt. Während Bundeskanzler Friedrich Merz noch überlegt, ob man das Mindesthaltbarkeitsdatum durch eine Vermögensprüfung für Kühlschränke ersetzen kann, werfen wir weiter weg, was das Zeug hält. Der Deutsche betrachtet den Joghurt drei Tage vor Ablauf der Frist wie eine tickende Zeitbombe, die nur durch sofortige Entsorgung im Restmüll entschärft werden kann. In Frankreich drohen Supermärkten Strafen für Verschwendung; hierzulande vertrauen wir lieber auf das bewährte Prinzip der Eigenverantwortung: Wer sein Schnitzel liebt, der wirft es weg, bevor es ihn böse ansehen kann. Ein System, so nachhaltig wie eine Kreuzfahrt durch das heimische Planschbecken.