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In Brüssel hat man sich nach quälenden Stunden des diplomatischen Schattenspiels auf eine wegweisende Strategie im Umgang mit China geeinigt: Die kontrollierte Selbstverleugnung. Während Peking den europäischen Binnenmarkt mit staatlich subventionierten Elektroautos flutet, die preiswerter sind als eine durchschnittliche Currywurst in der Brüsseler EU-Kantine, antworten die Staats- und Regierungschefs mit der harten Währung der Unverbindlichkeit. Man möchte China einerseits die Leviten lesen, andererseits aber nicht riskieren, dass die nächste Lieferung billiger Plastikspielzeuge und lebensnotwendiger Überwachungstechnologie im Hafen von Shanghai liegen bleibt. Ursula von der Leyen und ihre Mitstreiter praktizieren hierbei eine Form der ökonomischen Homöopathie: Man verdünnt die Kritik so lange mit hohlen Phrasen von 'Level Playing Fields', bis kein einziges Molekül Rückgrat mehr nachweisbar ist. Es ist die hohe Schule der Geopolitik, den Partner gleichzeitig als systemischen Rivalen und als überlebenswichtigen Sugar Daddy zu bezeichnen, während man unter dem Tisch bereits die Schatulle für die nächsten Seidenstraßen-Kredite bereithält. Die EU agiert hierbei wie ein Veganer, der heimlich beim Schlachter arbeitet, weil die Miete sonst nicht bezahlbar wäre. Am Ende einigte man sich darauf, das Problem so elegant zu umschiffen, dass man vermutlich im nächsten Jahr wieder am selben Riff zerschellen wird. Die größte europäische Errungenschaft bleibt somit die Erkenntnis, dass man eine Faust in der Tasche am besten dann macht, wenn die Tasche aus hochwertiger chinesischer Kunstfaser besteht. Wer braucht schon ökonomische Souveränität, wenn man stattdessen eine perfekt ausformulierte Absichtserklärung zum weiteren Abwarten haben kann?
Wirtschaft

Kuschelkurs im Minenfeld: EU-Gipfel beschließt einstimmig das kollektive Wegschauen

In Brüssel hat man sich nach quälenden Stunden des diplomatischen Schattenspiels auf eine wegweisende Strategie im Umgang mit China geeinigt: Die kontrollierte Selbstverleugnung. Während Peking den europäischen Binnenmarkt mit staatlich subventionierten Elektroautos flutet, die preiswerter sind als eine durchschnittliche Currywurst in der Brüsseler EU-Kantine, antworten die Staats- und Regierungschefs mit der harten Währung der Unverbindlichkeit. Man möchte China einerseits die Leviten lesen, andererseits aber nicht riskieren, dass die nächste Lieferung billiger Plastikspielzeuge und lebensnotwendiger Überwachungstechnologie im Hafen von Shanghai liegen bleibt. Ursula von der Leyen und ihre Mitstreiter praktizieren hierbei eine Form der ökonomischen Homöopathie: Man verdünnt die Kritik so lange mit hohlen Phrasen von 'Level Playing Fields', bis kein einziges Molekül Rückgrat mehr nachweisbar ist. Es ist die hohe Schule der Geopolitik, den Partner gleichzeitig als systemischen Rivalen und als überlebenswichtigen Sugar Daddy zu bezeichnen, während man unter dem Tisch bereits die Schatulle für die nächsten Seidenstraßen-Kredite bereithält. Die EU agiert hierbei wie ein Veganer, der heimlich beim Schlachter arbeitet, weil die Miete sonst nicht bezahlbar wäre. Am Ende einigte man sich darauf, das Problem so elegant zu umschiffen, dass man vermutlich im nächsten Jahr wieder am selben Riff zerschellen wird. Die größte europäische Errungenschaft bleibt somit die Erkenntnis, dass man eine Faust in der Tasche am besten dann macht, wenn die Tasche aus hochwertiger chinesischer Kunstfaser besteht. Wer braucht schon ökonomische Souveränität, wenn man stattdessen eine perfekt ausformulierte Absichtserklärung zum weiteren Abwarten haben kann?

19.06.2026, 16:00 · Ausgabe Nr. 87

Original Nachricht

Immer wieder prangert die EU unfaire Wettbewerbspraktiken Chinas an. Wie sich besser schützen, ohne den Handelspartner zu verprellen? Auf ihrem Gipfel berieten die EU-Staaten über Antworten, ohne das Problem konkret zu benennen.

Quelle: tagesschau.de