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Wenn die Deutsche Bahn eines braucht, dann ist es Konkurrenz durch ein Land, das logistische Präzision historisch gesehen nur unter einem Duce kurzzeitig simuliert hat. Der italienische Fernverkehrsanbieter Italo will nun das deutsche Monopol auf Stillstand und Schimmelbrot aufbrechen. Während Richard Lutz noch versucht, die Verspätung des TEE Rheingold von 1978 mit dem Klimawandel zu rechtfertigen, verspricht Italo mediterrane Lebensfreude im ICE-Format. Man darf sich das amüsante Schauspiel vorstellen, wie ein Ferrari auf Schienen mit 300 Sachen in ein deutsches Signalstellwerk rast, dessen Software noch auf Lochkarten von Konrad Zuse basiert. Die Integration verspricht eine kulturelle Bereicherung: Statt lauwarmem Filterkaffee aus einem Gerät, dessen Wartungsintervall zuletzt in der Ära Kohl lag, gibt es künftig wohl überteuerten Espresso und Mitarbeiter, die schlechte Nachrichten so elegant in Opernarien verpacken, dass der Kunde den Zugausfall für eine kulturelle Darbietung hält. Man könnte fast meinen, die Deutsche Bahn hätte Italo nur eingeladen, damit die Fahrgäste endlich lernen, dass ein Totalausfall in Florenz charmanter wirkt als eine Teilausfälle in Castrop-Rauxel. Italo bringt den Neorealismus auf die Schiene: Die Züge sind zwar pünktlich in der Theorie, werden aber in der Praxis vermutlich als überdimensionales Kunstobjekt auf freier Strecke stehen bleiben, weil die DB Netz AG das Konzept von funktionierenden Oberleitungen als unzulässigen Eingriff in die natürliche Entropie betrachtet. Am Ende bleibt nur ein Trost für den deutschen Bahnkunden: Wenn man schon drei Stunden vor einem geschlossenen WC in der Pampa wartet, dann wenigstens in einem Waggon, dessen Design nicht an ein Wartezimmer für Urologie erinnert, sondern an die Garage eines Mailänder Modezaren, der sein Geld hauptsächlich durch das Waschen von Betongeld verdient.
Wirtschaft

Verspätung mit Stil: Italo bringt Espresso und Mafiamethoden auf deutsches Schienennetz

Wenn die Deutsche Bahn eines braucht, dann ist es Konkurrenz durch ein Land, das logistische Präzision historisch gesehen nur unter einem Duce kurzzeitig simuliert hat. Der italienische Fernverkehrsanbieter Italo will nun das deutsche Monopol auf Stillstand und Schimmelbrot aufbrechen. Während Richard Lutz noch versucht, die Verspätung des TEE Rheingold von 1978 mit dem Klimawandel zu rechtfertigen, verspricht Italo mediterrane Lebensfreude im ICE-Format. Man darf sich das amüsante Schauspiel vorstellen, wie ein Ferrari auf Schienen mit 300 Sachen in ein deutsches Signalstellwerk rast, dessen Software noch auf Lochkarten von Konrad Zuse basiert. Die Integration verspricht eine kulturelle Bereicherung: Statt lauwarmem Filterkaffee aus einem Gerät, dessen Wartungsintervall zuletzt in der Ära Kohl lag, gibt es künftig wohl überteuerten Espresso und Mitarbeiter, die schlechte Nachrichten so elegant in Opernarien verpacken, dass der Kunde den Zugausfall für eine kulturelle Darbietung hält. Man könnte fast meinen, die Deutsche Bahn hätte Italo nur eingeladen, damit die Fahrgäste endlich lernen, dass ein Totalausfall in Florenz charmanter wirkt als eine Teilausfälle in Castrop-Rauxel. Italo bringt den Neorealismus auf die Schiene: Die Züge sind zwar pünktlich in der Theorie, werden aber in der Praxis vermutlich als überdimensionales Kunstobjekt auf freier Strecke stehen bleiben, weil die DB Netz AG das Konzept von funktionierenden Oberleitungen als unzulässigen Eingriff in die natürliche Entropie betrachtet. Am Ende bleibt nur ein Trost für den deutschen Bahnkunden: Wenn man schon drei Stunden vor einem geschlossenen WC in der Pampa wartet, dann wenigstens in einem Waggon, dessen Design nicht an ein Wartezimmer für Urologie erinnert, sondern an die Garage eines Mailänder Modezaren, der sein Geld hauptsächlich durch das Waschen von Betongeld verdient.

19.06.2026, 16:00 · Ausgabe Nr. 88

Original Nachricht

Das deutsche Zugangebot könnte bald aufgemischt werden. Das italienische Unternehmen Italo will in den Fernverkehr einsteigen. Wie realistisch ist das? Und was heißt das für Bahnkunden? Von Jan Zimmermann.

Quelle: tagesschau.de