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Vor genau zehn Jahren verließ Götz George die Bühne und mit ihm die letzte Legitimation für deutsche Männer, das Wort Scheiße als kontextfreie Interjektion in der gehobenen Abendunterhaltung zu etablieren. Als Horst Schimanski prügelte, soff und fluchte er sich durch ein Duisburg, das damals noch fälschlicherweise für eine Stadt und nicht für eine großflächige Mahnung des Denkmalschutzes gehalten wurde. George zertrümmerte das Bild des Beamten im braven Zweireiher so gründlich, dass man heute fast vergisst, dass der moderne Tatort-Kommissar ohne eine klinische Depression und mindestens drei gescheiterte Ehen gar nicht mehr zum Dienst erscheint. Während Schimanski noch aus ehrlicher Proletarier-Wut zuschlug, blicken seine Nachfolger heute so melancholisch in die Kamera, als müssten sie die gesamte deutsche Steuererklärung im Alleingang wegatmen. Besonders pikant bleibt die Ironie, dass George die Lederjacke zum Statussymbol einer Generation machte, die heute mehr Angst vor einem Glyphosat-Rückstand im Bio-Dinkel hat als Schimanski vor einer Überdosis Currywurst-Fett. Die angebliche Revitalisierung des Ruhrgebiets durch seinen Charme war ohnehin die größte schauspielerische Leistung seiner Karriere, denn George schaffte es, dass man den Geruch von Schwerindustrie für Parfüm hielt. Heute bleibt uns vom Schimanski-Kult vor allem die Gewissheit, dass ein Mann im Parka selbst dann als Rebell gilt, wenn er eigentlich nur die strikte Einhaltung des Dienstweges durch lautstarkes Brüllen simuliert. George hat bewiesen, dass man in Deutschland alles werden kann, solange man dabei eine vernünftige Jacke trägt und die Zuschauer so anschreit, dass sie sich endlich wieder wie bei ihren eigenen Eltern fühlen.
Panorama

Schimanskis Erbe: Warum deutsche Fernseher seit zehn Jahren weniger nach Bier stinken

Vor genau zehn Jahren verließ Götz George die Bühne und mit ihm die letzte Legitimation für deutsche Männer, das Wort Scheiße als kontextfreie Interjektion in der gehobenen Abendunterhaltung zu etablieren. Als Horst Schimanski prügelte, soff und fluchte er sich durch ein Duisburg, das damals noch fälschlicherweise für eine Stadt und nicht für eine großflächige Mahnung des Denkmalschutzes gehalten wurde. George zertrümmerte das Bild des Beamten im braven Zweireiher so gründlich, dass man heute fast vergisst, dass der moderne Tatort-Kommissar ohne eine klinische Depression und mindestens drei gescheiterte Ehen gar nicht mehr zum Dienst erscheint. Während Schimanski noch aus ehrlicher Proletarier-Wut zuschlug, blicken seine Nachfolger heute so melancholisch in die Kamera, als müssten sie die gesamte deutsche Steuererklärung im Alleingang wegatmen. Besonders pikant bleibt die Ironie, dass George die Lederjacke zum Statussymbol einer Generation machte, die heute mehr Angst vor einem Glyphosat-Rückstand im Bio-Dinkel hat als Schimanski vor einer Überdosis Currywurst-Fett. Die angebliche Revitalisierung des Ruhrgebiets durch seinen Charme war ohnehin die größte schauspielerische Leistung seiner Karriere, denn George schaffte es, dass man den Geruch von Schwerindustrie für Parfüm hielt. Heute bleibt uns vom Schimanski-Kult vor allem die Gewissheit, dass ein Mann im Parka selbst dann als Rebell gilt, wenn er eigentlich nur die strikte Einhaltung des Dienstweges durch lautstarkes Brüllen simuliert. George hat bewiesen, dass man in Deutschland alles werden kann, solange man dabei eine vernünftige Jacke trägt und die Zuschauer so anschreit, dass sie sich endlich wieder wie bei ihren eigenen Eltern fühlen.

19.06.2026, 16:01 · Ausgabe Nr. 89

Original Nachricht

Er fluchte, trank, prügelte - und wurde zur Kultfigur: Götz George sprengte als Horst Schimanski alle Konventionen des braven TV-Kommissars und schenkte dem Ruhrgebiet neues Selbstbewusstsein. Vor zehn Jahren starb er. Von S. Fritz.

Quelle: tagesschau.de