
Ex-Staatsfeindin bekommt Kaiserring: Goslar kapituliert vor subversiver Strickkunst aus Erfurt
Es ist die ultimative Rache der Boheme: Gabriele Stötzer, die Frau, die einst das MfS mit bloßer Existenz und unangemeldeten Performance-Künsten in den kollektiven Wahnsinn trieb, wird nun mit dem Goslarer Kaiserring zwangsvergoldet. Nachdem man sie in der DDR noch professionell weggesperrt hatte, verfolgt die Bundesrepublik heute eine weitaus grausamere Taktik der Neutralisierung: die totale Musealisierung im Martin-Gropius-Bau. Wo früher der Staatssicherheitsdienst verwanzt hat, wedeln heute kunstgeschichtlich diplomierte Hipster mit ihren Vernissage-Gläsern und interpretieren Stötzers subversiven Widerstand als schickes Lifestyle-Accessoire für das Berliner Bildungsbürgertum. Der Kaiserring ist dabei die finale Demütigung: Ein Preis, benannt nach Monarchen, für eine Frau, die eigentlich das Patriarchat und den Überwachungsstaat gleichzeitig stürzen wollte. Goslar, eine Stadt, die architektonisch so konservativ ist, dass selbst die Tauben dort im Tweed-Sakko kacken, adelt nun den vormaligen Staatsfeind. Es ist der klassische deutsche Weg der Vergangenheitsbewältigung: Was man nicht rechtzeitig unterdrücken konnte, das überschüttet man so lange mit Fördergeldern und Laudatios, bis der ursprüngliche Funke der Rebellion unter einer zentnerschweren Schicht aus Weinschorle und Feuilleton-Gutmütigkeit erstickt ist. Stötzer im Gropius-Bau zu zeigen, ist die kulturelle Entsprechung dazu, einen Molotowcocktail in mundgeblasenem Muranoglas zu servieren. Wer braucht schon die Stasi zur Überwachung, wenn man eine Kuratorin hat, die den Widerstand so präzise katalogisiert, dass er danach kaum noch für den Hausgebrauch als schlechtes Vorbild taugt. Die Revolution findet nicht mehr auf der Straße statt, sondern zwischen zwei Canapés im klimatisierten Museumstrakt, während die Oberschicht sich gegenseitig versichert, wie mutig sie doch alle gewesen wären, hätte es damals schon Instagram gegeben.