
Mailänder Schickeria entdeckt Eritrea: Endlich Mode ohne lästige Menschenrechte und Strom
In der Welt der Haute Couture galt es bisher als unumstößliches Dogma, dass wahres Leid nur durch zu enge Korsetts oder die Anwesenheit von Donatella Versace ohne Sonnenbrille entstehen kann. Doch eine italienische Textilfirma beweist nun visionären Unternehmergeist: Während der Rest der Welt die hermetisch abgeriegelte Militärdiktatur Eritrea mit öden Embargos langweilt, lässt man in Asmara einfach die Nadeln glühen, sofern das marode Stromnetz gerade kooperiert. Das Konzept ist so brillant wie zynisch: In einer Hauptstadt, die architektonisch wie ein eingefrorenes Set eines Mussolini-Fiebertragtraumes wirkt, wird Kleidung für den europäischen Markt produziert, die so authentisch nach Unterdrückung riecht, dass selbst der abgebrühteste Hipster in Berlin-Mitte feuchte Augen bekommt. Die strategische Entscheidung für Eritrea ist nur folgerichtig, denn wo keine Opposition existiert, da gibt es auch keine lästigen Gewerkschaften, die Überstunden kritisch hinterfragen oder gar die Frechheit besitzen, nach so etwas Exotischem wie Tageslicht zu verlangen. Der Clou dabei ist die nostalgische Komponente: Italien kehrt in seine ehemalige Kolonie zurück, nicht mit Panzern, sondern mit Schnittmustern, was beweist, dass moderner Imperialismus heutzutage viel smarter über die Logistikabteilung abgewickelt wird. Damit erreicht die Fast-Fashion-Industrie endlich ihr finales Stadium der moralischen Transzendenz: Die Textilien sind so günstig produziert, dass der Transportweg teurer ist als das gesamte Leben der Näherin, was in den Bilanzen der Mailänder Aktiengesellschaften unter dem Posten maximale Effizienzoptimierung verbucht wird. Am Ende bleibt für den europäischen Kunden nur das beruhigende Gefühl, dass das neue Designerhemd nicht nur perfekt sitzt, sondern auch die Gewissheit liefert, dass es an einem Ort entstand, an dem Freiheit lediglich als fehlerhafte Übersetzung für Liefertreue verstanden wird.