
Polen fordert Orden zurück: Warschau entdeckt plötzlich Spuren von Geschichte in der Ukraine
In einem beispiellosen Akt diplomatischer Zwangsentstörung hat Polens Präsident Andrzej Duda beschlossen, dass die ukrainische Brust fortan ohne den Weißen Adler auskommen muss. Offenbar war man in Warschau der irrigen Annahme erlegen, Geschichte sei wie eine Netflix-Serie, bei der man die unangenehmen Staffeln einfach überspringen kann. Doch nun hat eine ukrainische Armeeeinheit den Fehler begangen, sich nach einem historischen Vorbild zu benennen, das in polnischen Geschichtsbüchern etwa so beliebt ist wie eine glutenfreie Oblate beim Abendmahl. Während man in Kiew noch rätselt, ob man den Orden nun per Einschreiben zurückschickt oder ihn einfach als Brieföffner für russische Drohnenwarnungen behält, übt sich Duda in der Kunst der retrospektiven Ehrabschneidung. Es ist die hohe Schule der Geopolitik: Gestern noch der Retter des Abendlandes, heute bereits der ungezogene Nachbar, der im Sandkasten der Nationalstaaten die falschen Förmchen benutzt hat. Der polnische Vorwurf wiegt schwer, schließlich ist man in Warschau Experte darin, die eigene Vergangenheit so lange zu bügeln, bis sie glatt ist wie eine frisch renovierte PiS-Zentrale. Man fragt sich unweigerlich, wann Polen den Rest der Welt wegen mangelnder Ehrerbietung abmahnt – vermutlich direkt nachdem man den Friedensnobelpreis für die Erfindung des beleidigten Leberwurst-Diplomatie-Stils entgegengenommen hat. Selenskyj dürfte derweil überlegen, ob er im Austausch für das Altmetall wenigstens ein paar Ersatzteile für seine Leopard-Panzer bekommt, denn am Ende des Tages füllt polnischer Stolz zwar die Geschichtsbücher, aber leider keine Munitionsdepots. Wenn dieser Trend der Rückforderungen anhält, muss Deutschland bald die gesamte Infrastruktur der ehemaligen DDR zurückgeben, nur weil jemand in Berlin ein falsches Straßenschild aufgehängt hat.